Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 716 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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716 Im deutscher! Reich. weil wir zu unserer Beschämung oft erleben, wie sie ohne die geringste Ahnung von der Bedeutung des Judentums als eines Kulturfaktors — von der als Religion wollen wir ganz schweigen — heranwachsen. Meist wissen sie über ihr Judentum viel, viel weniger als der antisemitische Student, der zwar in der Fuchsenstunde nur darum seine Belehrung erhält, um es bekämpfen zu können, der aber schon durch die Wichtigkeit, die er dem Kampfe beilegt, seine Bedeutung anerkennt. Unter dieser systematischen Zurückdrängung und der Heranzüchtung der Anschauung, daß sie eine guaiwite neoU§ead!e seien, kann und muß naturgemäß «auch die Achtung vor der eigenen Religion leiden, und es ist durchaus nicht verwunderlich, wenn Studenten, die eine solche Schulung genossen haben, sich im späteren Leben nicht nur durch völlige Unwissenheit und Gleichgültigkeit in jüdischen Dingen auszeichnen, sondern zuweilen auch eine feige Verleugnung ihres Judentums an den Tag legen und sich geradezu schämen, den Namen „Jude" zu tragen. Bei der Tragödie fehlt auch das Satyrspiel nicht! In vielen „interkonfessionellen" Vereinigungen wird nicht nur Wert auf das Paritätische im inneren Vereinsleben gelegt, nicht nur der Jude allmählich seinem Glauben innerlich entfremdet, sondern diese Richtung tritt auch nach außen hin in die Erscheinung. Eine paritätische Verbindung, auch wenn sie ganz aus Juden besteht, wird sich niemals einsallen lassen, eine Purimkneipe oder eine Chanukkahseier zu veranstalten. Aber daß sie ganz gewissenhaft eine Weihnachts kneipe abhält, daß die Juden sich um den brennenden Christbaum setzen und Weihnacbtsiieder singen, also sogar aus lauter Parität sich zu einer Taktlosigkeit Hinreißen lassen, soll heute noch Vorkommen; das bringt das interkonfessionelle Prinzip nun einmal mit sich! Und dann die wilde Jagd nach dem „Renommierchristen"! Sie ist, wie jeder Kenner der akademischen Verhältnisse bestätigen wird, noch verbreiteter als man gemeinhin glaubt. Es ist keine Fabel, daß in so mancher „paritätischen" Verbindung unendlicher Jubel herrscht, wenn einmal ein ganz echter, unverfälschter, richtiger Christ einspringt, und daß er, besonders trenn er groß und blond ist, sofort zu den höchsten Ehrenstellen der Korporation gelangt. Welche ungünstigen Wirkungen muß das ans den jungen