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Im deutschen Reich · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. 715

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Unsere akademische Jugend
Date
1910-11-01
Page
715 (sequence 7)
Language
German
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Unsere akademische Jugend 715 zeichneten bedauerlichen Erscheinungen ausnahmslos in allen .paritätischen Verbindungen zu beobachten sind; es liegt mir ebenso fern, den guten Willen und-den guten Glauben der in jenen Verbindungen befindlichen Kommilitonen anzweifeln zu wollen: aber sie sind nun einmal im akademischen Leben vorhanden, diese unsere Schmerzenskinder, die „paritätischen Verbindungen jüdischen Glaubens", und jeder objektive Beobachter wird zugestehen, daß die innere Unsicherheit, die ihre Bestrebungen aufweisen, Folgen gezeitigt hat, welche für unsere jüdische Sache sowie für die Erziehung der Mitglieder zu tüchtigen Menschen und guten Juden sich als höchst bedenklich und bedrohlich Herausstellen. Und diese Zustände einmal offen und ungeschminkt zur Sprache zu bringen, anstatt wie bisher meist sie mit einem vielsagenden Lächeln still zu übergehen, ist äußerst lehrreich und unumgänglich notwendig, bevor sie noch mehr Unheil anrichten, als es schon der Fall ist. Denn nur auf diesem Wege kann es uns gelingen, das oft wertvolle Material, das die Mitglieder dieser Korporationen darstellen, ebenso für die Sache des Central-Bereins und somit für das Judentum zu interessieren und zu gewinnen, wie es bei den Mitgliedern jüdischer Verbindungen der Fall ist. Für die christlichen Korporationen gilt die Paritätische Vereinigung einfach als „Judenverbindung". Dieser Vorwurf kränkt tief! Man muß also die Welt von seiner Interkonfessiouellitüt zu überzeugen trachten und versucht es mit. verschiedenen Mitteln. Zunächst macht sich dieses „interkonfessionelle" Bestreben im inneren Vereinsleben geltend. Von Judentum darf möglichst wenig geredet werden, oder höchstens dann, wenn es sich um Wege zu seiner Ueberwindung handelt; vom Judentum sich Kenntnisse zu verschaffen, gilt als zeitraubend und überflüssig. Die paritätische Korporation, besonders die wissenschaftliche, sucht zwar ihren Mitgliedern von jeder großen Kulturerscheinung eine positive Vorstellung zu geben, nur bei der einen tut sie es nicht, bei jener, die ihre Mitglieder am meisten angeht, beim Judentum. So kommt es denn, daß uns bei der Ausbreitung der Eentral-Bereiusideen hier erhebliche Schwierigleiten erwachsen. Es gelingt uns darum schwer, den Sinn dieser jungen Juden für unsere Bestrebungen zu erwecken,

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