Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 714 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316802-2343919--20873-2343989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
714 Im deutschen Reich. des Zusammenschlusses zu machen! Aber wie so oft im jüdischen Leben, geschieht es auch hier, daß man in der Jagd nach dem fernen Ideale bcn festen Boden unter den Füßen verliert, denn in der Praxis stellen sich der Verwirklichung dieses Wunsches derartig unüberbrückbare Schwierigkeiten entgegen, daß man sich mit den bestehenden Verhältnissen auf lange Zeit hinaus ab finden und sich nach ihnen richten muß. Die Ideale der paritätischen Verbindungen sind an sich nicht verwerflich, sondern natürlich und gut. Nur sind sie nicht zeitgemäß. Wer versucht denn eigentlich heute im akademischen Leben jene toleranten Ideale zu verwirklichen? Die Christen nicht! Die schließen sich hermetisch ab und lassen Juden nicht einmal in die wissenschaftlichen Vereine hinein. Es istj nur die kleine Schar der Juden, und das führt bei allem guten Willen zu ganz absonderlichen Konsequenzen. Es sei zugegeben, daß ab und zu einmal eine kleine Korporation existiert, in der die konfessionelle Mischung zur Tat geworden ist, aber in bezug aus die Mehrzahl der interkonfessionellen Verbindungen wollen wir ehrlich die Verhältnisse schildern, wie sie sind. Die Anzahl der Christen, die sich in die sogenannten paritätischen Vereine verirrt, ist minimal, die Mitglieder sind nur Juden und immer wieder Juden, und somit entsteht in den meisten Gebilden dieser Art der bekannte theoretische Zwiespalt. Man darf und will sich den Tendenzen gemäß um die Konfession der Mitglieder nicht kümmern, man möchte so gerne die religiöse Frage gänzlich außer Betracht lassen, aber sie ist doch tagtäglich da und erhebt drohend ihr Haupt! Und je mehr man im Innern den Kopf in den Sand steckt, desto deutlicher wird es für den Außenstehenden, daß die allermeisten „paritätischen" Vereine rein jüdische Gebilde sind. Und es steckt schon ein Körnchen Wahrheit darin, wenn bir christlichen Korporationen diese Klasse kurzerhand zu den vm ihnen verachteten „Judenverbindungen" rechnen. In der Praxis führt nun dieser Zwiespalt im Leben der meisten paritätischen Vereine zu den bekannten merkwürdiger Verhältnissen, die teils die Lachlust erregen, teich tiefes, ernstes Bedauern Hervorrufen. Es liegt mir durchaus fern, behaupten zu wollen, daß die im folgenden gekenn^