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Im deutschen Reich · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. 713

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Unsere akademische Jugend
Date
1910-11-01
Page
713 (sequence 5)
Language
German
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Unsere akademische sagend. 71?. Für die dritte und letzte noch verbleibende Gruppe ist eine solche Arbeit noch weit mehr vonnöten. Denn eine große Anzahl von jüdischen Studenten schließt sich n i ch t j ü d i s ch e n Verbindungen an. Es sind dies nicht die alten historischen Verbünde, die Korps, Burschenschaften und Landsmannschaften, denn diese halten sich schon seit Jahren grundsätzlich judenfrei. Es handelt sich um freie Vereinigungen aller Art, die teils Verbindungscharakter haben und sich die historischen Bezeichnungen beilegen, teils auch auf wissenschaftlicher Grundlage stehen, indem sie entweder allgemeinwissenschaftlichen Charakters sind oder irgend ein Spezialgebiet bearbeiten. Gemeinsam ist allen diesen Korporationen die politisch-liberale Grundtendenz, welche die Religion ihrer Mitglieder für etwas Nebensächliches erachtet, um das die Verbindung sich nicht kümmert. Aus diesem Grunde stehen sie alle ebenso wie zu den allgemein-christlichen und den christlich-konfessionellen (katholischen) Vereinen auch zu den jüdischen in einem gewissen Gegensätze. Als konfessionelle Vereinigungen sprechen sie ihnen die Daseinsberechtigung ab und machen ihnen den Vorwurf, daß sie sich absondern und so die konfessionellen Zwistigkeiten begünstigen und vermehren, anstatt versöhnlich und ausgleichend zu wirken. Natürlich ist, wie gleich bemerkt sei, diese Anklage völlig unberechtigt; denn die Tatsache, daß nicht die jüdischen Studenten sich absondern, sondern daß sie abgesondert werden, daß ihr fester Zusammenschluß demnach nur einen berechtigten Akt der Selbstachtung und der Selbsterhaltung darstellt, ist in diesen Blättern' so häufig treffend ausgeführt worden, daß es sich durchaus erübrigt, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Nun kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß die Grundidee dieser liberalen Verbindungen — rein theoretisch betrachtet — durchaus gesund ist. Welchen vernünftig denkenden Menschen gäbe es wohl, der nicht statt der unseligen konfessionellen Verhetzung, statt des Rassen- und Nelii gionshasses nebst seinen häßlichen Auswüchsen aus akademischem jBoden lieber ein einträchtiges und friedliches Zusammenarbeiten der gesamten deutschen Jugend unter gegenseitiger ^Achtung vor der religiösen Ueberzeugung auf dem einigenden Boden der Wissenschaft sähe, wer wünschte nicht, daß gm cm aufhörte, den Glauben zum Haupt- und

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