Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 712 (sequence 4)
- Language
- German
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712 Im deutschen Reich. zusanunensindet, und trotz der erfreulichen Stärke dieser Gebilde ist demgemäß der Frage nach der Vertretung unserer Central-Vereinsinteressen unter den anderen Studenten nichts von ihrer Bedeutung genommen. liebet den einen Teil dieser nicht in jüdischen Verbindungen zusammengeschlossenen Kommilitonen, über die Fr eistu den Len, ist allerdings wenig zu sagen. Die Gründe, welche den einzelnen veranlassen, nicht aktiv zu werden, sind so verschieden und stehen meist in so losem Zusammenhang mit dem Verhältnis zum Judentum, daß es unmöglich ist, von einer einigermaßen einheitlichen Stellung der Nichtinkorporierten zum Central-Bereinsgedanken zu sprechen. Es gibt unter, ihnen manchen, der an jüdischen Fragen Interesse nimmt, der dem Verein als Mitglied angehört mtb für ihn arbeitet, es gibt viele andere, die völlig lau und. gleichgiltig sind. Es darf nun nicht verkannt 'werden, daß es für den jüdischen Studenten, den der erste Schritt ins akademische Leben oft von seinen bisherigen christlichen Freunden wenigstens gesellschaftlich endgültig trennt, durchaus notwendig ist, einen Anschluß an Glaubensgenossen zu finden, der lfm vor Vereinsamung und Verbitterung wahrt, der ihm Verkehr und Freundschaft gibt und seine Arbeitslust und Kraft weckt und fördert. Trotz dieser Erkenntnis ist es aber nicht angängig, die individuelle Freiheit des jüdischen Studenten völlig zu beschränken und ihn zum Eintritt in eine jüdische Korporation zu zwingen, ganz abgesehen davon, daß keiner über die. hierzu erforderliche Macht verfügt. Es gilt jedoch dem Mißstand zu begegnen, daß die Stellung dieser Freistudenten?u jüdischen Fragen sich allein auf die Anregungen gründet, die Schule und Elternhaus ihnen mit auf den Weg gegeben haben — und wie sehr zumal diese letzteren nur allzuhäufig alles andere eher denn gut sind, bedarf keiner besonderen Hervorhebung —, oder daß sie durch Einflüsse aus der nicht akademischen Welt gebildet wird, die ein Zufall an i sie heranbringt. Dieser Zufall kann ja für unsere Sache recht günstig sein, in sehr vielen Fällen ist er aber von gegenteiliger Wirkung, und so findet man in den Freistudenten schon eine Gruppe, die eine recht rege. Fürsorge erheischt, wenn ihr für jüdische Fragen Interesse eingeflößt und sie den rechten Weg geleitet werden soll.