Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 711 (sequence 3)
- Language
- German
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Unsere akademische sagend. 711 bcr 11 n i D c r ) i t d t Berlin"' (21. I. G. V.), der allerdings den jüdischen Tendenzparagraphen in seinen Statuten nicht besitzt, mit etwa 140 und die Verbindung D a h l e m i a- Berlin mit etwa 60 Mitgliedern^) Bedenkt man nun, daß die hier angeführten Zahlen dem Bestände des Wintersemesters 1909 entsprechen, sich seitdem also naturgemäß erhöht haben, rechnet man ferner die Vereine an den drei theologischen Anstalten zu Berlin und Breslau hinzu, die der Universitätskalender gänzlich außer Betracht läßt, so ergibt sich die erfreuliche Tatsache, daß bereits mindestens achtzehn h u n d e r t jüdische Akademiker Deutschlands in jüdischen Verbindungen organisiert sind, eine Macht, die von Tag zu Tag wächst und immer mehr in jüdische Angelegenheiten entscheidend eingreifen wird. Diese Verbindungen unterscheiden sich naturgemäß mehr oder weniger in ihren Bestrebungen, und manche von ihnen verfolgen spezielle Sonderinteressen. So ist das 51. Z. V. zionistisch, der B. I. A. steht auf gesetzestreuem Boden und der A. I. G. B. macht die Wissenschaft des Judentums zur alleinigen Grundlage seiner Arbeit. Gemeinsam aber ist ihnen allen das einigende Prinzip der Betonung eines bewußten Judentums, dessen Bedeutung für die Kultur der Menschheit in Vergangenheit und Zukunft sie freudig anerkennen, für dessen Erhaltung sie ihre frische Jugendkraft begeistert einsetzen. Mehr oder minder ausgesprochen verfechten alle diese Korporationen in der akademischen Welt die Grundsätze,- die der Central-Ver-ein im bürgerlichen Leben zur Geltung zu bringen sich bemüht. Und man konnte ohne jede Sorge um die Zukunft sein, wenn alle jüdischen Kommilitonen sich entschlössen, einer der hier erwähnten Vereinigungen Gefolgschaft zu leisten, die ja bei ihrer Vielseitigkeit eine reiche Auswahl bieten und dadurch jedem jüdischen Studenten auf bewußt jüdischer Grundlage die Betätigung seiner speziellen Neigungen in vollstem Maße gestatten. Leider ist es aber höchstens der fünfte Teil aller studierenden Juden, wenn nicht gar noch weniger, der sich in solchen Vereinen *) Die im Univerütätskalender gleichfalls als „jüdisch" bezeichnten Korporationen Wireeburgia und Veda zu Würzburg sowie A l s a t i a zu Leivzig sind nur durch ein Mißverständnis des Herausgebers, der von der Religion der Mitglieder auf die Tendenz schloß, zu dieser Bezeichnung gekommen.