Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 710 (sequence 2)
- Language
- German
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710 Im deutschen Reich. irgendwelche allgemeinen Gesichtspunkte herauszufinden, die wenigstens eine Einteilung in einige wenige, große Gruppen ermöglichen. Man findet diesen Einteilungsgrund vielleicht nur in der Stellung zum Verbindungswesen, denn hier sind deutliche Unterschiede auch im Verhalten zum Judentum wahrzunehmen. Scharf trennen sich die Studenten, die einer jüdischen Verbindung angehören, von der großen Zahl derer, die sich einer sogenannten interkonfessionellen, paritätischen Verbindung, mag diese nun wissenschaftlicher Art sein oder Verbindungscharakter tragen, anschließen; als dritte Gruppe gesellt sich dazu die Masse der Freistudenten, die überhaupt nicht „aktiv" geworden sind. Der Ausblick, den die erste Gruppe der in jüdischen Verbindungen organisierten Studenten gewährt, ist für jeden Freund eines selbstbewußten Judentums ein durchaus erfreulicher. Besonders wenn man auf Zeiten zurückblickt, die kaum ein halbes Menschenalter zurückliegen, ist der zu beobachtende Fortschritt ein ganz augenscheinlicher. Die statistischen Angaben, die der deutsche Universitätsk a l e n d e r für das Wintersemester 1909/10 enthält (im neuesten Kalender des Sommers 1910 fehlen sie leider gänzlich), geben einen Begriff, zu welcher Macht das jüdische Verbindungswesen, wenigstens der Zahl nach, angewachsen ist. Die Zusammenstellungen zeigen, daß der Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens, der K. C., wie er in der Studentensprache heißt, an den deutschen Hochschulen mit zehn Korporationen vertreten ist, denen 710 aktive Mitglieder und alte Herren angehören. Der Bund jüdischer Korporationen (B. I. C.) mit neun (jetzt zehn) Vereinen besitzt insgesamt 424 Anhänger. Dazu tritt das Kartell zionistischer Verbindungen (K. Z. B.). das an drei Universitäten 120 Mitglieder zählt, und der Bund jüdischer A k a d e m i k e r (B. I. A.) mit 154 Angehörigen an sechs Hochschulen. Zu den jüdischen Korporationen sind außer diesen großen Verbänden noch einige andere Vereinigungen zu rechnen, welche die Tendenz der Vertretung jüdischer Interessen in ihrem Namen öder sonstwie zum Ansdruck bringen. Zu ihnen gehört der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur an