Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 709 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316802-2343919--20868-2343984- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ihifere akademische Jugend? 7C9 Unsere akademische Jugend. Von Dr Felir Gold m n n n - Opche l n. Die Achtung, welche uns Juden von alters her für Studium und Wissenschaft angeboren ist, und die Tatsache, daß es zu einem großen Prozentsätze Männer aus den gelehrten Berufen sind, die in jüdischen Institutionen an leitender Stelle stehen, lassen uns mit ganz besonderer Aufmerksamkeit auf jenen Teil der jüdischen Jugend blicken, der auf Universitäten und anderen Hochschulen sich den akademischen Studien widmet. Einem jeden, der am Gedeihen und Bestehen des Judentums in Gegenwart und Zukunft Interesse hat, kann es durchaus nicht gleichgültig sein, wie unsere jungen Studenten erzogen werden, wie an sie gerade in dieser Zeit ihrer Jugend die Probleme des Judentums und ihre Bedeutung herangebracht werden und welche Richtung ihre Anschauungsweise dadurch erhält. Denn die Studiensemester sind eine Zeit des Reifens und Werdens; in dem jungen Menschen, der bei seinem Hinaustreten auf den freien, akademischen Boden sich zum erstenmale selbständig den Problemen des Lebens gegenüberaestellt sieht, entstehen in diesen Tagen die Grundlagen seiner Weltanschauung. Die Richtung, welche seinem geistigen Streben während dieser Zeit gegeben wird, die Bahn, auf die er politisch und religiös gedrängt wird, ist meist bestimmend und ausschlaggebend für sein ganzes ferneres Leben. Und da die Central-Vereinsidee ebenfalls dereinst von der Arbeit der heutigen jungen Akademiker abhängen wird, rechtfertigt es sich, wenn wir unser Augenmerk den Einflüssen, denen nach dieser Richtung hin unsere jüdischen Studenten ausgesetzt sind, und der leider etwas vernachlässigten Frage zuwenden, wie es in akademischen Kreisen um die Verbreitung der Tendenzen des Central-Vereins, um die Erriebnna zu Einkehr, zu Abwehr und zu Selbstbewnßtsein bestellt ist. Eine einfache und alle akademischen Bürger umfassende Antwort zu geben, ist — wie der erste Augenschein lehrt — unmöglich. Unsere jüdischen Studenten bilden durchaus nicht eine gleichartige Masse, in der die auf das Judentum gerichteten Gedanken und Bestrebungen eine gleiche Bahn und ein gleiches Ziel aufweisen. Es fällt sogar schwer, unter der Fülle der unendlich verschiedenen Anschauungen