Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 681 (sequence 14)
- Language
- German
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Umschau. 681 Gliedern undenkbar. Die russische Regierung vergewaltigt nicht nur die Juden, sondern auch andere Bevölkerungsklassen, die ihre verbrieften Rechte ihr nicht willenlos opfern. Das neue Gesetz über die Gleichberechtigung der Russen mit den finnischen Bürgern in Finnland bedroht mit schwerer Strafe alle Kronbeamten, Wahlposten bekleidenden und in Privatdiensten stehenden Personen, die dieser Gleichberechtigung russischer Untertanen absichtlich Hindernisse in den Weg legen, d. h. alle, welche die vollständige Russifizierung Finnlands etwa hemmen möchten. Dem Berliner Antisemiten- Moniteur ist aus Finnland über die russischen Chauvinisten geschrieben worden: „S ch ö n e P a t r i o t e n! I m I n n e r n geht es drunter und drüber und stockt an allen Enden, und das geordnete finnländische Gemeinwesen mit seinen westländischen Rechtszuständen soll wehrlos und in schnellstem Tempo mit in diesen Strudel hineingerissen werden. So verscherzt sich Rußland neben der Seele des Landes auch jedes moralische Anrecht auf dessen Besitz. Während man von den Finnländern nach wie vor die Erfüllung ihrer aus der Union mit Rußland erwachsenen Verpflichtungen fordert und sie sogar noch darüber hinaus stark und ungerecht in Anspruch nimmt, ist die monarchische Gegenseitigkeit selbst in der Theorie gänzlich verblaßt und hat zynischer Willkür anmaßender Sphären Platz gemacht, für deren dilettantische Experimente und legalisierte S p i tz b ü b e r e i e n chic!) der zarische Name als brauchbares Etikett herhalten muß." Daß gerade die judenfeindlichen Heißsporne in der russischen Duma die Finnenhetze betreiben, wird von der deutschen Antisemitenpreisse weislich verschwiegen. Besondere Genugtuung gewährt es ihnen aber ebenso wie den finnischen Konservativen, daß die finnländischen Sondergesetze für Juden und Zigeuner bis zu ihrer Revision bestehen bleiben sollen. Daß die Finnen durch solche Soudergesetze für die Juden sich in Widerspruch mit ihren eigenen Freiheitsbestrebungen gesetzt haben, läßt ihre eigene Knechtung als eine gerechte Strafe erscheinen. Wer die Rechte anderer Mitmenschen mißachtet, kann seine eigene Freiheit nicht wirksam verteidigen.