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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 680

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
[Ohne Titel]
Date
1910-10-01
Page
680 (sequence 13)
Language
German
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680 Im deutschen Reich. die zum Teil amtlichen Meldungen entnommen sind. Es darf daher nicht wundernehmen, daß die Bevölkerung der betroffenen Kreise kopflos flieht. So hatten im Donez-Kohlenrevier 60—75 v. H. der Arbeiter in kurzer Frist die Gruben verlassen, so daß die Kohlen- und Hutten-Industrie von einer schweren Krise betroffen wurde und im Juli den Betrieb um 60 v. H., im August um weitere 30 v. H. einschränken mußte. Deshalb baten die Industriellen, nachdem vorher nichts zur Besserung der sanitären Zustände geschehen war, die Regierung um Abkommandierung eines hohen Beamten mit außerordentlichen Vollmachten, wobei sie im Stillen die Hoffnung hegten, die Regierung zur Mitwirkung behufs gewaltsamer Verhinderung der weiteren Flucht veranlassen zu können. Die Regierung schickte auch den ausgezeichneten — nicht Bakteriologen, sondern Geburtshelfer Prof. Rein des Reichs-Medizinalkollegiums. Als nun jedoch die Verfügung erlassen wurde, für die Arbeiter der verseuchten Gebiete Volksküchen zu eröffnen, führten die Industriellen gegen diese Verfügung als ungesetzlich und unausführbar beim Handelsminister Beschwerde. Wenn Petersburg noch unfiltriertes Newawasfer in seine Wasserleitungen pumpt, so darf man sich nicht wundern, daß von den 1082 russischen Städten überhaupt nur 192 einer Wasserleitung und gar nur 38 einer Kanalisation sich erfreuen, und gar nicht daran denken, wie es auf dem platten Lande ausfehen mag. Bei diesen sanitären Zuständen findet die Cholera natürlich den besten Nährboden, aber auch andere Infektionskrankheiten würgen das russische Volk ständig, denn in einem Zeitraum von 5 Jahren, 1902—1906, erkrankten an Masern, Scharlach, Keuchhusten, Typhus, Ruhr, Diphtherie, Blattern und Hungertyphus über 10 Millionen Menschen. Wie entwertet das menschliche Leben ist, geht, um noch ein Beispiel anzuführen, aus dein Verhalten des berühmten Stadthauptmanns von Odessa hervor, Generals T o l m e t s ch o w, der in Ödes s a das j ii d i s ch e K r a n k e n h a u s aus dem Grunde s ch l i e ß e n wollte, weil dort zu v i e l Juden a l s A s s i st e n z - und D o l o n t ä v ä rzte an gestellt sind, zu einer Zeit, wo das Wüten der Cholera imb der Pest Odessa in Aufruhr und Schrecken setzte und alle verfügbaren Kräfte erheischte. Eine Gesundung aller Verhältnisse in dein Zarenreiche ist ohne eine gründliche Reform an Haupt und

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