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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 679

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
[Ohne Titel]
Date
1910-10-01
Page
679 (sequence 12)
Language
German
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um) er) au. 679 unb luemt ich von an Bücherl hör, baitu Hab' ich's schon gefressen." Noch aufregender spielt sich der Kampf gegen die Korruption in ab, der durch die Aufdeckung zahlreicher Unterschleife in den schiedensten Berwaltnngsgebieten entfesselt wurde. Allein in Kiew hat der mit der Untersuchung beauftragte Senator Tedulin festgestellt, daß die Jntendanturbeamten sich in den letzten fünf Jahren durch 20 Millionen Mark Bestechungsgelder bereichert haben. Die Betroffenen wehren sich, indem sie zu ihrer Entlastung die Vorgesetzten Behörden der Mitwisserschaft beschuldigen, so daß immer neue Enthüllungen ein grelles Licht auf eine grenzenlose Mißwirtschaft werfen. Die Tatsache, daß Rußland der eigentliche Seuchenh er der Ch o l e r a ist, die in der „Münchener medizinischen Wochenschrift" deshalb nicht als „Cholera asiatica", sondern „Cholera russica” bezeichnet wird, hat den Prof. R. Kraus veranlaßt, in der „Wiener Neuen Fr. Presse" ein internationales Borge h eit z u r E r z w i n g u n g de r S a - nierung Rußlands anznregen, nicht im Interesse des Auslandes, sondern hauptsächlich im Interesse des armen unglücklichen russischen Volkes. Im Laufe von 67 Jahren sind in vier Epidemien bis zum Jahre 1896 an Cholera in Rußland erkrankt 4 541000 Personen und gestorben 1830 000, im Laufe dieses Jahres bis zum 14. (27.) August nach den amtlichen Ausweisen 154 445 resp. 74 723 Personen — Zahlen, die man dreist um die Hälfte vergrößern durfte, ohne die wahrhaft grauenvolle Wirklichkeit zu erreichen. Aber noch so große Zahlen vermögen immer kein genügend deutliches Bild von all dem unsäglichen Elend und Jammer zu geben, der über Rußland hereingebrochen ist. In manchen Kreisen sterben ganze Familien, Aerzte und Heilgehilfen sind aufs äußerste angespannt, mit der Zunahme der Cholerasalle wächst auch der den Aerzten geleistete Widerstand. An vielen Orten irren Waisenkinder umher, die fast Hungers sterben, andere Kinder hocken verhungert am Lager ihrer erkrankten Eltern. Das sind so einige Stimmungsbilder,

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