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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 678

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
[Ohne Titel]
Date
1910-10-01
Page
678 (sequence 11)
Language
German
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678 Im deutschen ifteid). abwarten wollen. Unter dem Druck der christlich-sozialen Partei soll sich Geßmann noch anderen Bedingungen derselben gefügt haben. Eine war, daß er seine langjährige Wirtschafterin und Nichte heiratete, die er auf Reisen immer für seine Frau ausgegeben hatte. Ob sich Geßmann selbst nach Annahme aller ihm gestellten Bedingungen an der Spitze der christlich-sozialen Partei wird behaupten können, bleibt abzuwarten. Selbst die freikonservative „Post", die. sonst für Lueger und seine Epigonen stets eine gewisse Sympathie bekundete, hat in einem Artikel „Jenseits vom christlichen Sozialismus" das System Geßmanns mit folgenden Sätzen gegeißelt: „Gegen Spekulationen und Gründungsschwindeleien ist man zu Felde gezogen, und jetzt soll dasselbe Spekulantentum, derselbe Gründungsschwindel gut und erlaubt sein, weil er sich christlichsozial nennt? — Man mag den geschäftlichen Zusammenhang des Kärnthner Falles (den Zusammenbruch der von dem Klerus begünstigten Banksirma Kayser und Palese) mit dem Wirken und Treiben gewisser christlich-sozialer Parteigrößen in Abrede stellen, den inneren Zusammenhang wird man nicht leugnen können, und dieser läßt sich in die Worte zusammendrängen „System Geßmann". Was im Prozesse der Geßmannschen Bodenkreditbank zutage gefördert wurde, gehört auf dasselbe Konto, auf dem die Firma Kayser und Palese und alles, was damit zusammenhängt, steht. Was hier und dort getrieben wurde und geschieht, ist eben nicht sozial im Sinne der Besserung gegen den alten Liberalismus." Der Ehrenbeleidigungsprozeß B i e l o l h awek gegen Zipperer, der ihn beschuldigt hatte, seine öffentliche Stellung zu persönlicher Bereicherung mißbraucht zu haben, führte zwar zur Verurteilung des Beklagten zu 14 Tagen strengem Arrest, weil die Entlastungszeugen schwankende Aussagen machten, aber er hat doch die Wiener darüber aufgeklärt, weß Geistes die antisemitischen Führer sind. Schon die Beweisanträge des Verteidigers Gruber und das, was Bielolhawek als Zeuge aussagte, waren hinreichend zur Kennzeichnung dieser charakteristischen Figur des christlich-sozialen Regimes. Bielolhawek ist bekannt als der Autor der Bezeichnung „Bildungsprotze" für die Professoren der liberalen Partei und des berühmten Wortes: „Wissenschaft ist, was an Judv vom andern abschreibt,

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