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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 677

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
[Ohne Titel]
Date
1910-10-01
Page
677 (sequence 10)
Language
German
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Umschau. 677 semitenpresse so wenig Verständnis, daß sie sich nicht entblödet zu erklären: „Diese Stiftung ist zweifellos in letzter Reihe auf Beweggründe zurückzuführen, die den Berechnungen eines Geschäftsmannes entstammen." „Was ich denk' und tu', trau ich andern zu", und wenn in der Sedan-Nummer der „Staatsbürger-Zeitung" gesagt wird, „die öffentliche Meinung wird leider von solchen gemacht, die das Geschäftliche nur z u st a r k m i t den idealen Zielen der Politik verquicken", so hat sie, soweit sie die öffentliche Meinung zu beeinflussen sucht, nur sich selbst das Urteil gesprochen. Daß nicht nur unter, der Leitung Bruhns, sondern auch noch jetzt unter der Leitung Dr. Oesterreichers das über sie von antisemitischer Seite gefällte Urteil: „Geschäft, alles Geschäft!" zutrifst, darüber dürften alle Parteien einig sein. In Q)eitexxeid}=Ung<xvn ist man selbst in christlich-sozialen Kreism neuerdings bestrebt, sich der Führer zu entledigen, welche in der öffentlichen Meinung als „Geschäftsantisemiten" gelten. Bis jetzt hat sich jedoch noch niemand gesunden, der die Erbschaft Luegers in achtunggebietender Weise antreten könnte. Prinz Alois Liechtenstein ringt schwerkrank seit Wochen mit dem Tode. Sein von der „Staatsbürger-Zeitung" kürzlich aufgewärmtes Meisterstück bestand darin, daß er im Parlament dem toten Ministerpräsidenten Grafen Andrassy nachsagte, er habe eine die Blutmärchen bekräftigende Aeußerung getan, eine Behauptung, die sofort von den Hinterlassenen Andrassys widerlegt wurde. Dies charakterisiert diesen zeitweisen Führer der österreichischen Christlich - Sozialen hinreichend. Um für Liechtenstein rechtzeitig einen Ersatz zu schaffen, ist der ehemalige Minister Dr. G e ß m a n n von seinen Freunden veranlaßt worden, an sich einen Reinigungsprozeß vorzunehmen. Er hat auf seine Stellung als Oberkurator der von ihm gegründeten Wiener Bodenkreditbank, an der sein Sohn die Direktorstelle innehat, mit der Bemerkung verzichtet, er hätte dies schon früher getan, habe aber erst das Urteil in dem jüngst verhandelten Prozeß wegen eines an der Bodenkreditbank unternommenen Erpressungsversuchs

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