Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 676 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316801--20800-2343868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
676 Im deutschen Reich. senden unfreundlichen Bemerkungen über Juden und Judentum, endlich -die Organe der Konservativen und des Zentrums, daß ihre beständige Verquickung der Gesamtheit der Juden mit der sozialdemokratischen Partei aller Begründung entbehrt. Die Zugehörigkeit zum Judentum verpflichtet niemals den einzelnen Juden zu irgendeiner politischen Parteistellung, sondern legt ihm nur eine Verpflichtung auf: „Gegen den Antisemitismus!"; sie stellt ihm nur ein Ziel: „Gleiches Recht für Alle, für Christen und' Juden, für reich und arm, für hoch und niedrig!" Die Juden können aber tun, was sie wollen; sie werden es ihren verbohrten Gegnern nie recht machen. Mit dem verblendeten Fanatismus wie mit sonstiger Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Bei allen wohltätigen Stiftungen, bei alten staatlichen und städtischen Anforderungen die opferfreudigsten, ernten sie dafür kaum Dank, sondern verleumderische Hinweise auf die angeblichen Quellen ihres Wohlstandes. Die Leser der konservativen und der antisemitischen Blätter nehmen anscheinend gar keinen Anstoß daran, wenn man ihnen einmal die Juden als Revolutionäre darstellt, das andere Mal als'Günstlinge der Kaiser und Könige, wenn man die deutschen Inden für angebliche deutschfresserische Rassegenossen in England verantwortlich macht, es aber für patriotisch hält, wenn in der Antisemitenpresse häufig Hetzartikel gegen Frankreich und England erscheinen, die vielfach in jenen Ländern irrtümlich als maßgebend für die in Deutschland herrschende Stimmung angesehen werden und den Erfolg der friedlichen Bestrebungen der Reichsregierung beeinträchtigen. Die Stiftung €rnft Cassels, eines jüdischen Philanthropen, der, ohne eine offizielle Stellung zu bekleiden, in hohem Grade das Vertrauen des verstorbenen englischen Monarchen besaß, bezweckt nicht nur das Andenken des Königs Eduard dankbar zu ehren, sondern auch durch ein großartiges Werk der Humanität das in den letzten Jahren auf Ueberbrückung der Kluft zwischen England und Deutschland gerichtete Wirken dieses Königs dadurch zu ergänzen, daß die Hilfsbedürftigenbeider Länder in Tagen der Rot kräftige Unterstützung finden. Dafür hat jedoch die Anti-