Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 675 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 6 i 5 Bürgerkreise dadurch beit Unzufriedenen zudräng len, daß sie ans Judenhaß beständig die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung begeiferten. In der Erkenntnis, daß der Antisemitismus die Vorfrucht der Anarchie ist, haben wir bei Wahlen stets nur eine Losung ausgegeben: „Gegen die Antisemiten!" Wir treiben keine Fraktionspolitik; uns ist jeder Gegner einer dem Baterläude so gefährlichen Parteibewegung als Mitkämpfer willkommen, nicht, weil w i r uns als Inden, sondern als deutsche S t a a t s b ü r g e r verpflichtet f ü h l e n, die Schmach des 19. Jahrhunderts, die auch noch in unserer Zeit fortwuchert, tilgen zu helfen. Unsere Freunde haben im sächsischen Reichstagswahlkreise Aschoxarr-Marierrberg stramm gegen den Antisemiten gewirkt. Wenn dieser auch in einem Wahlkreise, der so lange eine antisemitische Domäne war, kaum durchdringen konnte, ist doch der Umschwung der Volksstimmung zuungunsten der Antisemiten dadurch deutlich erkannt worden, daß der Freisinnige 4716 Stimmen, der Reformer Fritzsche nur 4632 Stimmen in einem Kreise erhielt,. in dem der Reformer Zimmermann 1907 sofort mit 14 733 Stimmen gewählt worden ist. Durch den Sieg der Sozialdemokraten ist nicht nur der Antisemitismus aus diesem Wahlbezirk verdrängt; es hat auch diese klägliche Niederlage der von den Konservativen unterstützten Reformer, wie bei der Wahl in Oletzko-Lyck, den reaktionären Parteien durch einen Rückgang um 10 000 Stimmen abermals den Boden im Volke entzogen. Die Befriedigung über den Ausfall der Wahl in Zschopau- Marienberg kann selbst von den Reformern als keine Parteinahme für die Sozialdemokratie angesehen werden; denn sie erklären schon jetzt, daß lediglich die durch Aufstellung eines freisinnigen Kandidaten herbeigeführte „Zersplitterung der bürgerlichen Parteien" ihre Niederlage herbeigeführt habe und daß sie daraus künftig, wo die Wage zwischen einem Freisinnigen und einem Sozialdemokraten, schwanken wird, die Konsequenzen ziehen würden. Vielleicht belehrt das, ebenso wie die in der sozialdemokratischen Presse sich hau-