Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 671 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 671 gegen das Judentum erblicken. Eines steht fest: wir werden nur weiter kommen, wenn wir unsere Würde bewahren, unsere Pflicht strengstens tun und unser Recht unentwegt fordern. Im übrigen mag es dem Kaiser vielleicht ratlich erschienen sein, gegen diejenigen Stimmen aufzutreten, die sich in großer Zahl im Lager der Antisemiten Vorfinden und den Kampf gegen das „verjudete" Christentum in aller Form führen. Nämlich alles das, was diesbezüglich Dühring und seine Epigonen in scheinbar wissenschaftlicher Form dozierten, das ist in volkstümlicherer Fassung in jeder Nummer der von Th. Fritsch, dem Verfasser des „Antisemiten-Katechismus", herausgegebenen Zeitschrift „Der Jammer" zu lesen. Das müßte eigentlich jeden ehrlichen Freund des Monarchen und auch die Führer des katholischen Zentrums davon überzeugen, daß in den Reihen der angeblichen „Schildträger" der Haß gegen das Christentum ebenso tief sitzt wie das Vorurteil gegen Juden und Judentum. Ein in der August- Nummer (195) des „Hammers" enthaltener, von cand. iur. Wöllner Unterzeichneter Aufsatz hat nachfolgenden Wortlaut: „Wenn ich von der katholischen Bundesgenofsenschaft int Kampfe gegen Juda sprach, so sollte keineswegs gesagt sein, daß wir ultramontanen Anschauungen entgegenkommen sollten; vielmehr wollte ich nur auf die Tatsache Hinweisen, daß die Kirche in dem Hebräertum ebenso ihren Feind erkennen muß, wie wir Deutsch-Nationalen, und daß es gewiß Gelegenheiten gibt (so z. B. in wirtschaftlichen Fragen), wo uns die Bundesgenossenschaft des Klerus willkommen sein kann. Im übrigen aber werden sich die Wege der Hammer- Leute und die Wege des Zentrums in allen tieferen Geistessragen scheiden. Für uns N i e d e r s a ch s e n fängt n ä ml i ch das eigentliche C h r i st e n t u m , abgesehe n v o n dem p r o t e st a n t i s ch e n A lltags -- C hr i st e n - t u m, das sich für uns fast in ein Nichts v c r - f l ü ch t i g t hat — a l s o das C h r ist e nt u m in seiner h i st o r i s ch e n Form —, erst bei der k a t h o l i s ch e n Kir ch e a n. Im Grund sind wir Ni e d er s a chste n , besonders wir D i t t m a r s ch e n, durch A n n a h m e d er Reformation wieder zum alten Heident n in z u r n ck geke h r t. Wenn wir uns .noch immer als