Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 670 (sequence 3)
- Language
- German
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07u Im deutschen Reich. begrülwet liegt. Die volüommenste. Religion, ja die Religion als solche ist dem Kaiser das Christentum. Daher must ein guter Mensch ein guter Christ, ein guter Deutscher als narurgemäß guter Mensch mit der christlichen Religion unlösbar verbunden sein. Und wir Juden? Können wir als gute Juden auch gute Deutsche sein? Wir zweifeln nicht daran. Der historische Beweis ist dafür erbracht worden. Das hat sogar Treitschke nicht bestritten. Aber wir waren immer die Aschenbrödel in der Geschichte. An uns denkt man nicht: es sei denn, um etwas zu tadeln. Darin liegt aber keinerlei Positive Geringschätzung für uns, die guauüD nögsti§oadw. Betrüblich mag es stimmen, daß der kaiserliche Redner nicht daran gedacht hat, welche mißverständliche Deutung seinen Worten von uns übelwollender Seite gegeben werden könnte. Daß die Juden nicht gute Deutsche sein können, hat der Kaiser sicherlich nicht sagen wollen. Ihm ist vielmehr die Marienburg unlöslich mit der dort entfalteten Tätigkeit des christlichen deutschen Ritterordens verknüpft. Diesen hat er als vorbildlich schildern und insofern nur ausführen wollen, daß nur derjenige Christ, der ein „guter" soll heißen: „gläubiger" Christ ist, ein guter Deutscher sein könne. Daß der Kaiser seinem, nicht nur von ihm, sondern allerseits verehrten Borfahren Friedrich dem Großen, die Eigenschaft eines guten Deutschen habe absprechen wollen, erscheint ebenso ausgeschlossen, wie, daß er ihn oder Napoleon oder Julius Cäsar für schlechte Soldaten halten könnte! Der Kaiser hat offenbar nur durch den Geist des Ortes, an dem er sprach, hingerissen, an die Deutschen jüdischen Glaubens nicht gedacht. Daß wir vergessen wurden, muß uns schmerzen: uns die Eigenschaft guter deutscher Bürger absprechen zu wollen, lag dem Kaiser gewiß fern. Die Rede hat nur gezeigt, wo wir stehen. Biele, die. uns an sich nicht gram sind, denken nicht an uns und kümmern sich nicht um die kleine Zahl,-wie wir im Vergleich 51t den andern bilden. Vergessen wir das nie! Aber die Ueberschätznng derartiger Vorgänge nach jeder Richtung hin ist falsch. Die Gegner haben unrecht, wenn sie in der Tatsache, daß der Kaiser es nicht so hält nüe sie, hier and da auch einmal einen Juden in seine Gesellschaft zieht, einen Beweis besonderer Judenfreundlichkeit sehen, sie haben aber ebenso nurecht, wenn sie in der kaiserlichen Rede eine Spitze