Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Antisemitismus in der Sommerfrische
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 665 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Antisemitismus in der Sommerfrische. 665 schuft sogleich Namen, Beruf und sonstige Verhältnisse mitzuteilen, und habe auch gesunden, daß die meisten aus solches Wissen keinen Wert legen. Auch meine freundlichen Gefährten aus Hannover hatten mich nicht danach gefragt. Auf der Rückkehr machten wir noch eine Weile in Jlsenburg Raft, nachdem wir als richtige neuzeitliche Menschen schließlich einander zu erkennen gegeben, und nach guter deutscher Sitte versprochen hatten, Ansichtspostkarten einander zuzuschicken. Da verabschiedete sich gegen unsere Verabredung das Beamtenehepaar nebst Sohn mit geradezu unhöflicher Eilfertigkeit. Meine übrigen Gefährten waren gleichfalls unangenehm berührt, hatten aber sofort den Grund herausgefunden: „Ja, merken Sie denn nicht, daß die Herrschaften herausgefunden haben, daß Este Juden sind? Auf die Ansichtspostkarte werden Sie wohl lange warten können!" Was die braven Leute sonst noch sagten, will ich lieber verschweigen. Später trafen wir uns .noch aus dem Bahnhof unb kannten einander nicht mehr. Ein anderer Fall. Wir stiegen, Juden und Christen gemütlich gesellt, von dem Jnselsberg hinunter. Unser Weg führte uns nach Tabarz, auch ein Ort, der im Verzeichnis antisemitischer Plätze ziemlich obenan steht. Da entschlüpfte einem unserer Weggenossen, einem Knaben von etwa 12 Jahren, die etwas laute Bemerkung: „Ach, das ist ja Tabarz, wo sie keine Juden hereinlassen!" Weiter kam er nicht, denn schon legten sich die Hände der Eltern auf sein Haupt, aber nicht um zu segnen. Dafür hatten wir bald darauf noch eine andere Genugtuung. In Tabarz ließen wir uns in einer Konditorei nieder und aßen und tranken und zwar nicht allzuwenig. Der Wirt hatte daran seine helle Freude, und als bald darauf ein in Uniform sich befindlicher Herr am Nebentisch nebst seinen Mitantisemiten uns zuerst durch höhnische Blicke, dann durch alberne Redensarten anzurempeln versuchte, wurde die ganze Gesellschaft durch den Lokalbesitzer ebenso höflich wie energisch hinauskomplimentiert. Wir sollten nur so oft wir wollten wiederkommen, meinte der freundliche Wirt, er würde dafür Sorge tragen, daß bei ihm kein Gast belästigt werde. Meines Erachtens auch wieder ein Beweis dafür, daß auch in den als antisemitisch verschrienen Orten ein jeder Gast will-