Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Graf Camillo Cavour und die Juden
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 660 (sequence 18)
- Language
- German
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660 Im deutschen Reich. zweiten Vater durch das Vertrauen, das er ihm entgegenbrachte. Erprobte er doch häufig den Effekt der großen Reden, die er in der Kammer zu halten gedachte, vor seinem Privatsekretür, und suchte aus dessen Gesichtszügen ein Urteil über das Gesagte herauszulesen; oder er bestürmte den von Natur zurückhaltenden Artom so lange mit Fragen, bis dieser ihm eingestand, er täte nach seiner Ansicht besser, diesen oder jenen heftigen Ausdruck seiner diplomatischen Noten zu mildern. Selbstverständlich gehörte es zu den Obliegenheiten Artoms, die Geheimkorrespondenz des Ministers zu öffnen. Nur der Tod hat, Cavour daran gehindert, seinen treuen Mitarbeiter zum Generaldirektor im Ministerium des Aeußern, eine Stellung, welche der eines Unterstaatssekretärs gleichkam, zu ernennen. Und daß er dieses Amt unter dem Marquis Visconti-Benosta von 1869—1876 mit Ehren bekleidet hat, lange nachdem sich die Augen seines Meisters für immer geschlossen, beweist am deutlichsten, wie gerechtfertigt dessen Vorliebe für ihn gewesen war. Gleichzeitig mit seinem Rücktritt vom Amte im Jahre 1876 wurde er als erster Jude zum Senator des Königreichs Italien ernannt. Nur daß er den gemäßigt liberalen Anschauungen Cavours bis an sein Lebensende, 1900, treu bliebt), war der Grund, aus welchem er nach 1876 keine aktive Rolle mehr in der äußeren Politik Italiens spielte. Obwohl auch nach Cavours Hinscheiden von einer fast ängstlichen Zurückhaltung in Mitteilungen über den großen Staatsmann, verdanken wir doch Artom die beste Charakterzeichnnng, die wir von ihm besitzen (Artom et Blanc, L’oeuvre parlementaire du comte de Cavour, Paris 1862). Ferner enthält einen genauen Bericht über die letzte Krankheit des großen Ministers sein drei Tage nach dessen Tode geschriebener Brief an die unter dem Pseudonym Daniel.Stern bekannte Gräfin D'Agoult. Recht bezeichnend für die Bescheidenheit des Briefschreibers ist es, daß . er verschweigt, wie die letzten verständlichen Worte Cavours, während König Viktor Emanuel II. fassungslos am Bette des Sterbenden weilte, lauteten: .„Morgen will ich, daß Artom sich um "j Sein Jugendfreund, der inzwischen zum Grafen erhobene Konstantin Nigra/verfasste die Inschrift der Gedenktafel, welche die Stadt Asti ihrem großen Sohne stiftete.