Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Graf Camillo Cavour und die Juden
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 659 (sequence 17)
- Language
- German
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Graf Camillo Cavour und die Inden. 6ö9 fromme Blatt wohl getan, wenn es hätte ahnen können, daß die Artikel über italienische Politik, welche ihm 1859 durch Mittelspersonen in französischer Sprache zugingen, und die es ebenso wie die „Kölnische Zeitung" veröffentlichte, von einem Sohne Israels im Privatkabinette Cavours verfaßt und von letzterem durchgesehen waren? In dieser Aufklärung der öffentlichen Meinung durch die englische, französische und deutsche Presse bestand ein Teil der Tätigkeit Artoms; ein anderer, und zwar der wichtigere, dagegen im Anfertigen von Denkschriften und Instruktionen von höchster politischer Bedeutung, z. B. der für den italienischen Bevollmächtigten auf der Züricher Konferenz, sowie für die geheimen Unterhandlungen mit dem Vatikan, Instruktionen, welche die Grundlage des noch heute bestehenden Garantiegesetzes für den päpstlichen Hof bilden. Wäre dies Heinrich von Treitschke bekannt gewesen, so hätte er wohl herausgetüftelt, es spreche semitischer Geist aus diesem Gesetze. Uebrigens trat 1868 Artom zu Treitschke in persönliche Beziehungen, als er, damals italienischer Gesandter in Karlsruhe, für das italienische Unterrichtsministerium einen Bericht über die Universität Heidelberg, an der Treitschke lehrte, anzufertigen hatte. Später waren sie noch in Gedankenaustausch gelegentlich des Aufsatzes Treitschkes über Cavour, und zur Zeit des Kulturkampfes über das Verhältnis von Kirche und Staat. In denselben „Preußischen Jahrbüchern" (25. Dezember 1876), aus welchen Treitschke wenige Jahre später seinen Bannstrahl gegen die Juden schleuderte, veröffentlichte er ein Schreiben Artoms und bezeichnet ihn, allerdings ohne Namensnennung, als „einen ausgezeichneten, italienischen Staatsmann" und als seinen „Freund". Wer weiß, ob Treitschke, als er sich um 1880 dem modernen Sport des Antisemitismus zuwandte, vom Vorstande des Vereins deutscher Studenten Absolution für seine Beziehungen zu dem Juden Artom erlangt hat? Uebrigens stammt aus Artoms Feder auch die italienische Ausgabe von Gneists „Rechtsstaat". Gerade zu der Zeit, als Artom ins Kabinet des Ministers berufen wurde, hatte er das Unglück, feinen Vater zu verlieren. Aber Cavour, mit dem er mm mehrere Jahre hindurch in täglicheni Verkehr blieb, wurde ihm fast zürn