Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Graf Camillo Cavour und die Juden
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 652 (sequence 10)
- Language
- German
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652 Im deutschen Reich. damals wenig 'entwickelten Italien nicht vorhanden. Hingegen stellten jüdische Nationalökonomen ihr finanzielles Genie bereitwillig in den Dienst der nationalen Sache und wurden von Cavour in jeder Weise gefördert. Einer der bekanntesten von ihnen ist Sansone D'Ancona (1614—1894). Geboren in Pesaro und mit seinem berühmten Mitbürger, dem Komponisten Gioachimo Rossini, eng befreundet, hatte er sich in Florenz unter dem letzten Großherzog Leopold II. durch seine politischen Schriften eine hervorragende Stellung in der gemäßigt liberalen Partei errungen. Kaum war er im Jahre 1860 zum Deputierten gewählt, so ließ ihn Cavour auf Vorschlag des Barons Ricasoli zum Leiter des Finanzressorts und der öffentlichen Arbeiten Toskanas unter der Statthalterschaft des Prinzen von Carignano ernennen. Mit großem Geschick führte er dann die Verschmelzung der toskanischen mit der italienischen Finanzverwaltung durch. In Anerkennung seiner Verdienste um die Einigung Italiens wurde er 1882 zum Senator des Königreichs ernannt. Hierbei sei der Beziehungen seines Bruders, des heutigen Nestors der italienischen Literaturhistoriker, Alessandro D'Anconas, zum Grafen Cavour gedacht. Als 20jähriger junger Mann kam er nach Turin, scheinbar um Jura zu studieren, in Wirklichkeit aber, um als Bindeglied zwischen den Liberalen Toskanas und dem Grafen Cavour zu dienen. Bald nahm er politisch und literarisch eine derart geachtete Stellung ein, daß man ihn zum Sprecher bei Ueberreichung einer Büste Cavours als Ehrengabe an ihn selbst wählte. Alessandro D'Ancona gehörte, wie mehrere seiner Glaubensgenossen längst, dem italienischen Senat an. Nur kurz, da schon häufig ausführlich behandelt, soll hier an den Raub des Judenkindes Mortara durch die päpstlichen Behörden in Bologna erinnert werden. Als die römische Regierung sich trotz der Intervention der französischen weigerte, das Kind seinen Eltern zurückzugeben, schrieb Cavour am 15. Dezember 1858 an den Grafen Delta Minerva, den Bevollmächtigten Sardiniens in Rom, folgende prophetischen Worte: „Der heilige Stuhl hat unrecht, sich über den Ausgang der Mortara-Angelegenheit zu freuen. Dieser hat die Pläne des Kaisers (Napoleons III.) mächtig gefördert. Man wird es merken, wenn eine Krisis in Italien ausbricht/'