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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 651

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Graf Camillo Cavour und die Juden
Date
1910-10-01
Page
651 (sequence 9)
Language
German
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Graf Camillo Cavour und die Juden. 651 zielen, war bekanntlich der Finanzminister' und Vertraute Napoleons III., Achille Foüld. Seinen Aeußerungen über die politischen Verhältnisse Italiens wird daher im Briefwechsel Cavours nicht geringe Bedeutung beigelegt. Kaum war im Jahre 1860 durch Garibaldi das Königreich Neapel erobert und dem Königreich Italien einverleibt worden, so bemühte sich der scharfblickende Geist Cavours, jüdische Kapitalisten dorthin zu ziehen, um das Land wirtschaftlich in die Höhe zu bringen, aus dein die Söhne Israels vor Jahrhunderten durch den Fanatismus der Spanier vertrieben worden waren. Charakteristisch ist dafür folgendes Empfehlungsschreiben Cavours aus dem Dezember 1860 an den berühmten Juristen Antonio Scialoja, welcher damals die Finanzverwaltung der neu erworbenen Provinzen leitete: „Lieber Herr Scialoja! Ich übergebe dieses Blatt Herrn Landauer, Vertreter der Herren Rothschild, welcher sich nach Neapel in Geschäften seines Hauses begibt. Dieses wäre sehr geneigt, an der Gründung einer Notenbank teilzunehmen, ist aber vollkommen meiner Meinung, daß die Ausdehnung der Nationalbank der Schaffung eines neuen Instituts vorzuziehen ist. . ." Um dieselbe Zeit empfahl er dem Generalstatthalter in Neapel, Farini, sich für die Niederlassung der bekannten Bankiers Emil und Isaak Pereire, denen - Frankreich, wie man weiß, die Eröffnung der ersten Eisenbahn im Jahre 1835 zu danken hatte, zu interessieren. „Es gibt," so schreibt Cavour, „keine befähigteren und, um es endgültig auszusprechen, k e i n e e h r l i ch e r e n unter den großen Finanzmännern Europas ... 'Die Pereires werden alt; ein mildes Klima für den Winter wäre ihnen dienlich. Wenn Sie sie veranlassen könnten, sich in Neapel niederzulassen, so wäre dies überaus nützlich, um das unglückliche Land aus dem Zus^nde der Trägheit, in dem es sich befindet, herauszuziehen." Lieber als ausländische Kapitalisten hätte natürlich Cavour vom Beginn seiner Ministerialtätigkeit an inländische zur Erreichung seiner hohen politischen und wirtschaftlichen Ziele verwendet. Doch erstklassige, bei denen große Staatsanleihen hätten ausgenommen werden können, wie die Rothschilds, Foulds, Pereires, waren in dem ökonomisch

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