Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Graf Camillo Cavour und die Juden
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 650 (sequence 8)
- Language
- German
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650 Im beutfdjett Reich. Als dann nur Anfang des Jahres 1859 ein kriegerisches Vorgehen Sardiniens und Frankreichs gegen Oesterreich immer wahrscheinlicher wurde, hatte Cavour wieder langwierige Verhandlungen mit den Häusern Rothschild und Fould über eine Anleihe von 50 Millionen, die aber zu keinem Resultate führten, sondern damit endeten, daß die Regierung die Anleihe direkt zur Zeichnung auflegte und damit einen unerwartet glänzenden Erfolg erzielte. Damals, und zwar kurz nach der entscheidenden Unterredung Cavours mit Kaiser Napoleon III. am 26. März 1859, soll folgendes Gespräch zwischen dem italienischen Staatsmann und Baron James stattgefunden haben. Auf des letzteren Frage, ob Cavour nunmehr die Erhaltung des Friedens oder den Krieg für wahrscheinlich halte, antwortete dieser: „Es sind viele Chancen für den Frieden, es sind viele Chancen für den Krieg vorhanden/' Wenig befriedigt von dieser ausweichenden Antwort, meinte der Finanzsürst: „Immer drollig, Herr Gras." Worauf seinerseits Cavour: „Herr Baron, ich will Ihnen einen Vorschlag machen: Wir kaufen gemeinschaftlich Fonds, spielen auf Hausse, ich gebe meine Entlassung; es wird eine Hausse von 3 Franken geben." „Sie sind zu bescheiden, Herr Graf", schloß Baron James mit maliziösem Lächeln das Gespräch, „Sie sind gute 6 Franken wert." Ueberhaupt waren in jener Zeit viele Anekdoten über die Beziehungen zwischen dem allmächtigen Finanzsürsten und dem geschickten Diplomaten 'in Umlauf. So sollen beide, nachdem Cavour infolge der für Italien ungünstigen Friedenspräliminarien von Villafranca entrüstet seine Entlassung gegeben hatte, um als einfacher Privatmann nach Paris zu kommen, eines Abends Whist um einen Einsatz von je 1000 Franken gespielt, und Cavour soll mit einem Gewinn von 150 000 Franken den Spieltisch verlassen haben. Wie schon oben angedeutet, fanden die Beziehungen des Grasen zu Rothschild erst durch den Tod des ersteren ihren Abschluß; noch im Februar 1861, als Cavour wieder Ministerpräsident war, liehen die Häuser Rothschild und Weill-Weiß der italienischen Regierung 17 Millionen. Einer der Inhaber des jüdischen Bankhauses Foüld- Oppenheim, dessen Offerten Cavour mehr als einmal dazu dienten, um günstige Bedingungen von Rothschild 311 er-