Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 617 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316800-2343648--20693-2343738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 617 Pflege und der Gesundung von Kranken, Schwachen und Erholungsbedürftigen dienen, sollten die neugierigen Ausforschungen und Klassifizierungen nach Rasse, Religion, Parteistellung und Gesinnung schon wegen ihrer unsagbaren Inhumanität und unbeschreiblichen Intoleranz an sich unbekannt sein und bleiben. Wir Aerzte, die wir allezeit unentwegt der Fahne der Humanität folgen, empfinden es als einen Schlag ins Gesicht, solche Engherzigkeit zu sehen, wie sie sich z. B. „aus der Verfolgung deutsch-nationaler Prinzipien" im O sts e eb a d H eili g enh afen ausspricht; besonders, wenn Kur- und Badeverwaltungen — sonst doch unsere Bundesgenossen — die-ärztliche Ethik mißachten u ti b n o ch den traurigen Mut besitzen, uns Aerzte als Helfershelfer und Spitzel für ihre Zwecke aufzurufen. Um so tadelnswerter ist diese Handlungsweise, wenn gerade — oft vielleicht nur zufällig — Zuckerkranke solche Orte aufsuchen, weil sie bekanntlich gar zu fein auf Unstimmigkeiten reagieren und eine größere Einbuße an ihrer Gesundheit durch Aufregung und Aerger als durch einen Diätfehler erleiden. Vor solchen, glücklicherweise seltenen, .Kurorten haben wir Aerzte im Interesse des allgemeinen Wohles allerdings die unabweisbare Pflicht, aufs eifrigste zu warnen und uns zu hüten, Kranke in jene Bäder zu schicken, wo ihnen geistige Verwirrung unberechenbaren Schaden zuzufügen droht." — Die „Freisinnige Zeitung" schreibt: „D a s M ä r ch e n vom jüdischen Blutaberglauben wird in den „Deutsch-Sozialen Blättern" wieder aufgetischt. Es muß wahrhaftig schlecht um die Zugkraft der antisemitischen Ideen stehen, wenn ein derartiger scheußlicher Aberwitz immer wieder aufs Tapet gebracht wird. Ein Oberst H. — warum nennt der Mann nicht seinen vollen Namen? Er schämt sich doch wohl ein bißchen? — läßt in einer Nummer (vom 11. August) der „Deutsch-Sozialen Blätter" folgenden Artikel los: Man hat sich oft gefragt, wozu die jüdischen Mörder das Menschenblut, das sie bei Ritualmorden, wie in Trient, Damaskus, Tisza-Eslar, Tanten, Sturz, Könitz usw. gewonnen haben, eigentlich verwenden. Einige behaupten, sie vermischten es in den Teig zu den Mazzes. Dies ist mir von jeher unwahrscheinlich erschienen. Vielmehr habe ich immer den Ausspruch jener im Konitzer Prozeß