Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 605 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 605 Präsidenten des Reichsgerichts zu machen und einzelnen Offizieren jüdischer Abstammung sogar den Generalsrang zu gewähren. Keinem dieser Judensprößlinge wagte man durch rassenantisemitische Aeußerungen ihr Amt zu verleiden, wie man es in unserer Zeit wagt, in der angeblich „der Jude herrscht" — denn damals galt der Wille des Monarchen insbesondere für preußische Offiziere als undurchdringlicher Panzer. Selbst die „Hamburger Nachrichten", die wenig für die Juden übrig haben, fühlten sich gedrungen, gegen die „Gedanken" deS antisemitischen Offiziers Front zu machen und in einern „Der Ltarserbesuch in Hamburg" überschriebenen Artikel zu erklären: „Weil solche Ergüsse geeignet sind, ganz wirre Begriffe von Hamburg zu verbreiten — wollen wir wenigstens ganz kurz dazu sagen, daß f a st j e d e s W o r t i n d e r A u s l a s s u n g u n w a h r i st. Was die „jüdische Regierung" angeht, so verlohnt es sich wirklich nicht, darüber noch Worte zu verlieren. Höchstens könnte man dem „alten preußischen Offizier" empfehlen, sich das Hamburgische Staatshandbuch vorzunehmen und die Namen der hohen Verwaltungsbeamten und Richter aus ihren .Klang zu untersuchen." Die „Staatsbürger-Ztg." hat in einem zweiten Aufsatz „Nationale Sorgen" die für Hamburg verletzenden Aeußerungen zwar herabgemildert, aber andererseits bemerkt, ihr Gewährsmann versichere, daß bis zur königlichen Hofhaltung hinauf der Einfluß des jüdischen Kapitals erkennbar sei. Andere Leute nehmen aber weit deutlicher wahr, daß solche antisemitischen Pfeile und u. a. auch der, den Herr v. S. in einern von der „Staatsbürger-Ztg." unter der Spitzmarke „Jüdische Wandlungen" überschriebenen Artikel abgeschnellt hat, weit über die Juden hinauszufliegen bestirnmt sind. Er schreibt: „Die selbst von Kaiser Friedrich nicht gewünschte Zeit ist bei uns angebrochen, wo die Friedländer, Rathenau, Mendelssohn, Karo, Schwabach und andere jüdische Edelleute Nachfolger der Jtzenplitz in der Mark geworden sind. An diesen Gedanken konnte sich der zweite Kaiser noch nicht gewöhnen. Jetzt ist's anders geworden. In Mißbrauch der hochherzigen idealistischen