Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 604 (sequence 4)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. oO + gefällt, ] o wird es i h m niemand verübeln, w en7t er sich in den Kreisen wo h ler fühlt, w o äußerer Glanz und Pracht, aber a u ch ur e h r innere Falschheit zu Hause sind/' Der unbekannte militärische Mentor seines Monarchen verspritzt dann noch einiges Gift gegen die Hamburger Kaufmannschaft und Reeder, von denen er die widersinnige Behauptung aufsteltt, sie würden von der internationalen Judenschaft regiert, deren vornehmster Vertreter Ballin sei. Am Schlüsse seiner angeblich von der Liebe zum Herrscherhause diktierten Strafpredigt klagt er: „Und niemand wagt es, unseren Kaiser auf die Gefahren m/merksam zu machen, die der intime Verkehr mit Leuten seichen Schlages zeitigen muß: Sozialdemokratie und Juden s ch a s t die Beherrscher Deutschlands! Welch ein trauriger Ausblick in die Zukunft. Wenn das der alte Kaiser Wilhelm und Bismarck sehen könnten!" Der alte preußische Offizier kann froh sein, daß sie seine dreiste Schreiberei nicht sahen; denn bekanntlich hat der greise Heldenkaiser sehr streng auf militärische Disziplin gehalten, so daß eine so unbotmäßige Sprache eines Soldaten den: Bundesseldherrn gegenüber nicht ungesühnt geblieben wäre. Was aber den Fürsten Bismarck betrifft, so hat er nie ein Hehl aus seiner Abneigung gegen.,,politische Pastoren" und gegen „politische Offiziere" gemacht und seine staatsmünnische Autorität zu wahren gewußt, wenn selbst hochverdiente Heerführer zuweilen mit seinen Entscheidungen nicht einverstanden waren. Kaiser Wilhelm ließ sein Vermögen durch den jüdischen Baron Cohn verwalten, und sein Reichskanzler hat nicht nur seinem Ratgeber in finanziellen Fragen, dem jüdischen Bankier Gerson v. Bleichröder, sondern auch anderen Juden Beweise seines Vertrauens gegeben. Die beiden großenMänner haben sich wenig darum bekümmert, ob dies den Kreuz-Zeitungs-Rittern angenehm war- oder nicht, und am allerwenigsten hatte ein preußischer Offizier gewagt, ihnen gegenüber an Drohungen streifende Vorwürfe über ihren jüdischen Umgang zu machen. Der „Rassenantisemitismus" lag ihnen so fern, daß sie gar kein Bedenken trugen, Männern jüdischer Abstammung, wie Friedberg und Friedenthal, Ministerportefeuilles anzuvertrauen, einen getauften Juden, Simson, zum ersten