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Im deutschen Reich · 1910-09-01 · Heft 9 (September 1910) · p. 606

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 9 (September 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1910-09-01
Page
606 (sequence 6)
Language
German
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606 Im deutschen Reich. Gesinnung des R e i ch s o b e r h a u p L e s erscheinen die alter: kaiserlichen Schutzjuden wieder auf der gesellschaftlichen Oberfläche." Leider wird eine solche Erscheinung nur von den Antisemiten wahrgenommen; selbst die Aerzte des auch mit jüdischen Mitteln unterhaltenen Britzer Krankenhauses können' ungehindert sich die Gesellschaft jüdischer Kollegen nach wie vor verbitten, da die Direktion an der Ablehnung jüdischer Medizinalpraktikanten weiterhin nicht behindert ist. Die Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause und insbesondere die Erklärungen des Kriegsministers haben deutlich genug bewiesen, daß nicht nur in bezug auf den gesellschaftlichen Verkehr, sondern auch auf das System der Verwaltung jetzt geradezu mit dem Gegenteil einer Iuöenherrschaft zu rechnen ist. Die Intimität des genialen Organisators der großen Hamburger Reederei mit dem Deutschen Kaiser würde sicherlich' keinen Bestand haben, wenn sie so weit ginge, auf den Gang ' der politischen Entwicklung Einfluß zu üben oder an dem Verhalten der herrschenden Parteien im Interesse seiner Glaubensgenossen Kritik zu üben. Noch weniger ist ein solches Wort von. den Männern jüdischer Abstammung anzunehmen, mit denen der Kaiser sich zwanglos unterhält. Haben sich doch von ihnen die meisten vom Judentum losgesagt und gehen entweder selbst oder durch ihre Sprößlinge in dem Adel auf, der zwar über jede den „Wasserjuden" zuteil werdende Hofgnnst lamentiert, den Zuzug der Plutokratie beklagt, sich aber schließlich doch mit ihr verschwägert, weil ihm das jüdische Geld und die jüdische Intelligenz recht nützlich erscheinen. Nicht Herrschaft wollen die deutschen Juden, sondern Gleichberechtigung; sie wollen sie nicht als Geschenk, als Gunst, sondern erwarten sie von Recht und Billigkeit. Die Besserung der Verhältnisse wird dadurch kommen, daß die Regierung sich schließlich nicht mehr der Wahrnehmung verschließen kann, wie der Uebermut der herrschenden Parteien das monarchische Prinzip und selbst die militärische Disziplin schädigt. Es ist heute schon nicht auszudenken, wessen gewisse Kreise sich unterfangen würden,

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