Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 603 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 603 Liebe zum Herrscherhause hat dem geschätzten Verfasser die Feder in die Hand gedrückt", unparteiische Leser aber nur den Eindruck gewonnen haben dürften, daß solche Gedanken darauf hinauslausen, dem deutschen Kaiser Vorschriften zu machen, wen er in seinen Verkehr ziehen darf und wen nicht. Männer jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung, die in Kunst und Wissenschaft, in Handel und Industrie sich ausgezeichnet haben,. will der „alte preußische Offizier" durchaus nicht am Hofe seines preußischen Königs dulden. Er sagt rund heraus: „Die Intimität mit dem Deutschen Kaiser, deren sich seit einigen Jahren die tonangebenden Hamburger Kreise, voran diejenigen um B allin, die führenden Geister der Hamburger Schiffahrt und Hochfinanz, rühmen rönnen, hat schon längst an gewissen Stellen des „übrigen" deutschen Vaterlandes Kopsschütteln und Verwunderung erregt. Und mit Recht. Gilt es doch als ausgemacht, daß u n s e r e ganze innere u n d äußere Politik von den E i n f l ü st e r u n g e n jener u n v e r a n t w örtlichen Freunde u n d Ratgeber des Kaisers merklich beeinflußt wird. Ostentativ meidet der Kaiser seit Fahren die deutschen Bundessürsten und ihre Hauptstädte; die übrigen deutschen Dolksstämme, selbst die altpreußischen, kennen den Deutschen Kaiser bald nur noch vom Hörensagen. . . . Am schmerzlichsten aber wird dies empfunden, wenn man den Gründen nachgeht, aus denen heraus die Hinneigung des Kaisers zu Hamburg sich allmählich entwickelt hat. Es ist, rund heraus gesagt: die Vorliebe des Kaisers für alles P o m p ö s e. Und das findet er eben nur in Hamburg und bei den Hamburger Kaufleuten. . . . Wenn er auf einem Schiff der Amerika- Linie des Herrn Ballin bewirtet wird oder in dem Hause eines sonstigen reichen Schisfahrtsmagnaten, da macht orientplisch-byzantinifche Prachkund Herrlichkeit das Auge trunken und läßt vergessen, daß die Kosten schließlich der deutsche Steuerzahler, der gute deutsche Michel im Inland tragen muß. . . , Aber das sind ja eigentlich Privatsachen, die das deutsche Volk nichts angehen, denn der Kaiser kann sich seinen Umgang wählen, wie es ihm paßt, und wenn ihm die a l t p r e u ß i s ch e Schlichtheit nicht m e h r