Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Das russische Paßvisum
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 598 (sequence 3)
- Language
- German
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598 Im deutschen Reich. werden. Die russische Regierung hat gezeigt, daß ihr die allgemeine öffentliche Meinung, auch die der Amerikaner, nicht gleichgültig ist; ein energisches Vorgehen unseres Staatsdepartements würde ausreichend fein, künftig jede gröbliche verschiedene Behandlung amerikanischer Staatsbürger, die von Rassenurteilen und religiösen Vorurteilen herrührt, wirksam zu verhüten." In einem Leitartikel der New Uorker „Abendpost" heißt es: „Es ist wohl keine gewagte Annahme, daß der Auftrag, welcher einem von Mr. F. Burton Harrison bei dem Präsidenten Taft eingesührten Ausschuß erteilt wurde, mit der jüdischen Sache in Rußland in Verbindung steht. Der Besuch im Weißen Hause dürfte den Zweck gehabt haben, den Präsidenten.an sein bei der Wahlagitation im Jahre 1908 in dieser Stadt gegebenes Versprechen zu erinnern, für den Fall freier Wahl es sich zur Aufgabe zu machen, von der russischen Regierung die Zusicherung gleicher Behandlung für die nach Rußland reisenden Amerikaner jüdischen Glaubens zu erlangen. Von Zeit zu Zeit ist seitdem aus Washington berichtet worden, daß die Zurücksetzung der Juden in dem russischen Paßsystem Gegenstand der Verhandlungen sei. Es ist wünschenswert zu erfahren, welchen Fortschritt bte Verhandlungen genommen haben oder welche Aussichten vorhanden sind, daß sie fortschreiten." Daß sich die Regierung der Vereinigten Staaten eine solche dilatorische Behandlung seitens des Petersburger Kabinetts, gefallen läßt, dürfte die Volkstümlichkeit des Präsidenten Taft wesentlich verringern. Die Entschuldigung der nordamerikanischen Staatsmänner, daß sich auch das mächtige Deutsche Reich die Maßregelung seiner jüdischen Staatsbürger durch die russischen Behörden ruhig gefallen lasse, ist unzureichend. Nordamerika hat nicht wie Deutschland sich im Kriegsfälle nach zwei Fronten zu verteidigen und schon im Frieden mit dem tiefen Haß der S to.ck r u.s s e n g e g e n a l l e s D e u t s ch e zu rechnen. Auch die auf Kosten Chinas zwischen Rußland und Japan erfolgte Annäherung kann für das Kabinett von Washington keinen Grund bieten, sich in der Paßfrage von den russischen Diplomaten narren zu lassen, sondern kann weit eher dazu führen, kurz, angebunden sich jede Umgehung des russisch-amerika-