Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Aus alter und neuer Zeit
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 593 (sequence 3)
- Language
- German
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Aus alter und neuer Zen. 593 Das ist die Geschichte aus alter Zeit. Sie spielt im Jahre 1852. Der Herr v. Bethmann Hollweg von dazumal ist der Großvater des heutigen Reichskanzlers, und der Generaladjutant v. Gerlach verzeichnete alsbald in seinen Denkwürdigkeiten: „Stolberg sagte mir heut, daß S. M. Hollweg, der heut für die Zulassung der Juden zu den Staatsümtern gestimmt, eine Audienz verweigert hat." Bethmann Hollweg war einer der Vertrauensmänner des Prinzen von Preußen, des späteren Kaisers, einer der schärfsten Gegner der „Kreuzzeitungs"-Partei und der Reaktion. * * Nun eine Geschichte aus neuerer Zeit. Es brausck ein Ruf wie Donnerhall. Die Emser Depesche war veröffentlicht; die französische Kriegserklärung war in Berlin in aller Form übergeben worden. König Ludwig von Bayern erkannte den Bündnisfall an. In München aber beantragte der Sonderausschuß der Zweiten Kammer, nicht Geld zum Kriege, sondern „zur Aufrechterhaltung bewaffneter Neutralität gegenüber den Kriegsereignissen zwischen Preußen und Frankreich" zu bewilligen. Dr. Jörg, der „Patriot", war Berichterstatter des Ausschusses. Dr. Westermayer, der „Patriot", erklärte: „Haben wir den casus foederis und müssen wir an der Seite Preußens und des Norddeutschen Bundes in das Feld ziehen, so haben wir auf der Stelle die französischen Truppen in Süddeutschland. Ich glaube nicht, daß Herr Dr. Sepp so ganz das richtige und rechte getroffen hat, wenn er meint, daß die Pfälzer die Schauder und Greuel eines Krieges zu tragen verständen und vor demselben nicht zurückscheuen... Ich meinte wirklich, daß die Pfälzer Abgeordneten das kleinere Uebel vorziehen und lieber neutral blieben, als das größere Uebel ins Haus nehmen möchten . . Da erhob sich ein Abgeordneter aus der Pfalz und erwiderte: „Meine Herren! Ich komme aus der Pfalz nnb kann versichern, daß in der Pfalz über diese Frage eine Meinungsverschiedenheit nicht besteht. Alle Parteien sind einig, daß