Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Nach Britz Lübeck!
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 588 (sequence 8)
- Language
- German
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588 Im deutschen Reich. Herren einen Rüffel erteilt, uns aber davon Mitteilung macht, daß dies geschehen ist. Ich verlange auch, daß man Herrn Mattissohn volle Entschädigung für den pekuniären Verlust gibt, den er erlitten hat und der ihm zur Hälfte nicht ersetzt ist. Vor allen Dingen aber fordere ich, daß der Senat den festen und offenen Willen hier kundgibt, daß fürder hier am Krankenhause auch jüdische Aerzte angestellt werden. (Bravo.) Senator vr. Kalkbrenner: Die Sache, die den Weggang des Medizinalpraktikanten betrifft, liegt fünfviertel Jahre zurück, und nunmehr erscheint sie plötzlich in den Zeitungen. Die Darstellung des Herrn Or. Schlomer deckt sich mit der Darstellung in den Zeitungen. Ich habe vorhin erklärt, daß aktenmäßig feststeht, daß das Ausscheiden des betreffenden Herrn nicht auf die Konfession zurückzuführen ist, sondern in der Person begründet war. Ich habe dieser Erklärung nichts hinzuzufügen. Nur dagegen muß ich Verwahrung einlegen, daß Herr Dr. Schlomer verlangt, daß einer der Aerzte, die am Krankenhause tätig sind, seitens der Vorsteherschaft des Krankenhauses oder seitens des Senates einen Rüffel bekommt. Dazu liegt kein Grund vor. Nun hat Herr Dr. Schlomer Bezug genommen auf das Inserat, das vor einiger Zeit in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift erschienen ist und in dem ein Assistenzarzt für die chirurgische Abteilung des hiesigen Krankenhauses gesucht würde. Dieses Inserat hat dem Vorstande der hiesigen israelitischen Gemeinde Anlaß gegeben, beim Senate Beschwerde einzulegen. Daraufhin hat der Senat eine Untersuchung durch die Vorsteherschaft angeordnet, und es ist hierbei sestgestellt worden, daß dieses Inserat in seiner Fassung lediglich m i t R ü ck f i ch t a u f d i e augenblicklichen Verhältnisse, namenilidy die beschränkten Raumv erh ältniss e (!) und den Mangel an A erzten, gewählt ist*). Hiernach hat der Senat der Vorsteherschaft zu erkennen gegeben, daß er dieses Inserat nicht gutheißen könne und erwarte, daß eine Wiederholung desselben nicht stattfinde. Von dieser Entscheidung des *) Ein jüdischer Arzt nimmt also mehr Raum ein als ein christlicher; und der Aerztemangel wird dadurch überwunden, daß man den Kreis der Bewerber eimchränkt!!