Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Nach Britz Lübeck!
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 587 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Lübeck 1× ep/1048008
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Nach Britz Lübeck-: 587 selbe vorgekommen ist. Ich beklage es hier nicht nur als Vertreter der Lübecker Bevölkerung, sondern auch als Jude und Arzt, daß der Lübecker Staat seine Hand dazu bietet, daß jüdische Aerzte von der Gleichberechtigung tatsächlich ausgeschlossen werden. Das hat weitgehende Bedeutung nicht nur nach der politischen Seite hin, sondern auch für die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft. Wenn diese aus so glänzender Höhe steht, verdankt sie das zum Teil mit jüdischen Aerzten. Ich brauche Sie nur zu erinnern an Professor Traube, den Begründer der klinischen inneren Medizin in Berlin, und an den Mann, der nach Professor Kochs frühzeitigem Tode jetzt der glänzendste Vertreter der deutschen medizinischen Wissenschaft ist, an Professor Ehrlich. Der Fall hat aber noch ein weiteres Interesse für die Standesbewegung der Aerzte. Sie wissen, daß das ganze Streben der Aerzte dahin geht, sich einheitlich zu organisieren, und ich darf erklären, daß meine jüdischen Kollegen immer bestrebt gewesen sind, daran witzuarbeiten. Aber dessen seien Sie versichert, wir werden uns hüten, jetzt für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen, um uns später von etwas sehr jungen Assistenzärzten um die Früchte betrügen zu lassen. Wenn wir jüdischen Aerzte nicht mitmachen, ist die deutsche Aerztebewegung zersprengt, denn ohne unsere Mitarbeit wird sie nicht weiter kommen. Ich weiß, daß der Antisemitismus, der unter den Kollegen zum Teil herrscht, vor allen eine Neigung der jüngeren Aerzte ist, die eben von der Universität kommen und keinen Einblick in die Verhältnisse haben, daß unter den älteren Aerzten viele sich durch die Erfahrungen des täglichen Lebens von ihrem Antisemitismus bekehren lassen. Es ist bekannt, daß auf der Universität keine politische Bewegung twn seiten unserer hohen Regierungen geduldet wird und deshalb nur die Juden und Sozialdemokraten den Studenten als Freiwild für ihre politische Betätigung dienen. Daher rührt der'Antisemitismus der jungen Herren. Aber ich erkläre nochmals, ich verlange als Vertreter der lübeckischen Bevölkerung und als Jude, daß der lübeckische Staat sich nicht dazu hergibt, diese Bestrebungen zu unterstützen. Ich verlange, daß Herrn Mattissohn Genugtuung gegeben wird dadurch, daß man ihn endlich über die wahren Beweggründe aufklärt und den beteiligten