Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Nach Britz Lübeck!
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 586 (sequence 6)
- Language
- German
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586 Im deutschen Reich. der ihm in bureaukratischer Weise antwortete, die Sache sei erledigt, er könne auf die Gründe nicht eingehen — im Herbst desselben Jahres in den „Aerztlichen Mitteilungen" eine Annonce folgenden Inhalts: „Es wird für das Lübecker Krankenhaus ein Assistenzarzt christlicher Religion gesucht." M. H. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die Art der Entlassung! Wer die Sache einfach sachlich betrachtet, für den gewinnt sie ein anderes Gesicht. Bis dahin ist etwas Derartiges nicht vorgekommen. Nun plötzlich erscheint eine solche Annonce. Es ist mir gesagt worden, der Oberarzt, der die Annonce erlassen hat, hätte geäußert, er hätte sie nicht gern eingesetzt, habe aber, um sich Unannehmlichkeiten mit den Assistenzärzten zu ersparen, sich doch darauf eingelassen. Das hätte der Oberarzt nicht dürfen, und er hätte seinen Standpunkt wahren müssen. Nun ist von dem Herrn Senatskommissar darauf, hingewiesen worden, früher wären doch jüdische Assistenzärzte unter demselben Oberarzt dagewesen. Aber es gibt eine Redensart: Für das Gewesene gibt der Jude nichts. Wenn diese Redensart einmal richtig angewandt ist, ist das hier der Fall. Ich verlange Rechenschaft für das, was geschehen ist und fürder geschehen wird. Nun ist von der leitenden Behörde zugesagt, daß eine solche Annonce nicht wieder eingerückt wird. (T h. S ch-w a r tz lSoz.l: Das wäre auch ein Skandal!) Aber auch das genügt mir noch nicht. An diese Tatsachen sind wir jüdischen Aerzte schon lange gewohnt. Solche Annoncen werden nicht mehr eingesetzt, tatsächlich werden jüdische Aerzte aber nicht angenommen. Es genügt mir nicht, daß Besserung versprochen wird, sondern ich will Tatsachen sehen. Ich werde nicht eher befriedigt sein, als bis wieder jüdische Assistenz- oder Volontärärzte im Krankenhause beschäftigt werden. Es gibt genügend davon, das wissen Sie alle, und was an mir liegt, werde ich dafür sorgen, daß die Verwaltung des Krankenhauses bald in die Verlegenheit gerät, hier Farbe bekennen zu müssen. Diese Sache bedarf der öffentlichen Erörterung, weil sie ein weit über unsere Vaterstadt hinausgehendes Interesse hat. Es handelt sich hier nicht um eine einzelne Tatsache, sondern um eine solche, die mit Vorgängen an andern Orten zusammenhängt. Ich brauche nur den Namen des Kranke nHaus es Britz bei Berlin zu nennen, wo das-