Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Nach Britz Lübeck!
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 585 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Lübeck 1× ep/1048008
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Nach Britz Lübeck! 585 Zeitungsberichte wenig gegeben wurde, und daß man immer die bequeme Antwort hatte: das sind unverbindliche Zeitungsnachrichten, auf die wir nicht eingehen können. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen das tatsächliche Material zu dieser Frage unterbreite. Es handelt sich um die Angelegenheit des Medizinalpraktikanten vr. Magnus Mattissohn aus Marienwerder. Er ist am 10. Mai vorigen Jahres hier eingetroffen, nachdem er schriftlich auf drei Monate mit einem Gehalt von 50 M. und freier Station verpflichtet war. Er hat sich am 10. Mai gemeldet und wurde aufgefordert, sich in das Kasino der Assistenz- und Volontärärzte zu begeben. Er bemerkte aber sofort nach seinem Eintreten, daß er, schon ehe die H e r r e n Gelegenheit hatten, ihn k e n n e n zu lernen, geschnitten wurde und daß alle seine Versuche, persönliche Beziehungen anzuknüpfen, vergeblich waren. Das zeigte sich am Abend desselben Tages sowohl als auch im Laufe des folgenden Tages. Am dritten Tage erhielt er endlich Aufklärung. Er wurde von dem Sekundärarzt der chirurgischen Abteilung Or. Brevitt in sein Zimmer gerufen, und es wurde ihm eröffnet: „Ich teile Ihnen im Aufträge der Volontär- und Assistenzärzte mit, daß wir wünschen, daß Sie das Krankenhaus verlassen." Er antwortete daraufhin: „Ich habe das allerdings erwartet, aber ich möchte bitten, mir die Gründe zu nennen." Diese Gründe zu nennen v e r w e i g e r t e i h m a b e r d e r H er r. Das spricht einerseits nicht für viel Mut, andererseits nicht für die Güte der Gründe. Wenn es persönliche Einwände wären, hätte er sie ruhig nennen können. Es war aber daraus zu entnehmen, daß derartige Gründe nicht vorhanden waren, sondern daß allgemeine Gründe in Betracht kämen, die er nicht nennen wollte. Herr Mattissohn fragte den Oberarzt Herrn Or. Hofstaetter, und von diesem wurde ihm geantwortet, er kümmere sich um diese persönlichen Angelegenheiten nicht, aber im Interesse des Dienstes wünsche er ein friedliches Zusammenarbeiten der Aerzte, und wenn die andern sich geweigert hätten, mit ihm zu arbeiten, bitte er, diesem Wunsche der Aerzte nachzugeben. Auch hier wurde bestritten, daß die Sache auf antisemitische Neigungen zurückzuführen sei. Dann aber erschien — nachdem der Herr sich vergebens bemüht und nachdem er sich auch an den Senat gewandt hatte,