Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Nach Britz Lübeck!
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 584 (sequence 4)
- Language
- German
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584 Im deutschen Reich. stehe mit Herrn Pape seit 25 Jahren im politischen Leben, und ich dachte mir, daß er so etwas doch nicht geduldet haben könnte, ohne daß er es gleich öffentlich vorgebracht hätte. Ich telephonierte gleich an ihn, und er antwortete mir, daß er seit langer Zeit nicht mehr zu den Sitzungen der Vorsteherschaft des Krankenhauses ginge, weil sie am Tage stattfinden. Ich weiß, wie es mir selber als bürgerlicher Deputierter geht und daß sehr häufig die Sitzungen gerade in der Geschäftszeit sind. Ich möchte deshalb die Anfrage an den Senatskommissar richten, ob die Sache sich so verhält. Senator vr. K a l k b r e n n e r: Herr Thiele hat Bezug genommen auf eine auswärtige Zeitung, in der dargelegt ist, aus welchen Gründen ein junger Medizinalpraktikant, der hier am Krankenhause ein paar Tage gewesen ist, aus dem Dienste des Krankenhauses ausgeschieden sein soll. Aus einen unverbindlichen Artikel in einer auswärtigen Zeitung, der augenscheinlich von interessierter Seite herrnhrt, gebe ich nichts, sondern ich halte mich an das, was die verantwortlichen Oberbeamten, die leitenden Aerzte, pflichtgemäß berichtet haben. Es steht aktenmäßig fest, daß der Grund für das Ausscheiden des Herrn nicht in seiner Konfession, sondern lebt g l i ch i n d e r P e r s o n gelegen hat. Es wäre auch wunderbar, wenn die Leitung des Krankenhauses, nachdem hier zu wiederholten Malen jüdische Assistenz- und Sekundärärzte tätig gewesen sind, und zwar im vollen Einvernehmen mit den leitenden Aerzten — noch vor einem Jahre war ein Herr hier, der hier länger als zwei Jahre mit großem Erfolge tätig gewesen ist —, wenn die Borsteherschaft plötzlich von antisemitischen Neigungen befallen worden wäre. Davon kann keine Rede sein. I)r. Schlomeri Ich hatte eigentlich die Absicht, auf die Sache, die von Herrn Thiele angeregt und eben von dein Herrn Senatskommissar beantwortet ist, erst am Schlüsse der Generaldebatte einzugehen und die Verhandlung über die Sache selbst nicht zu stören. Gestatten Sie mir, daß ich auf die Frage, die erstlich von Herrn Thiele angeregt wurde, noch etwas ausführlicher wingehe. Es war immer üblich, daß vom Senats tisch auf