Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Nach Britz Lübeck!
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 583 (sequence 3)
- Language
- German
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Nach Britz Lübeck! 583 noch immer eine große Rolle in dem offiziellen Organe des Verbandes! Es ist Zeit, daß der Vorstand „innere Mission" treibt und aus die Herren,’ Me bei ihren Ausschreibungen immer wieder „Angabe der Konfession" zum mindesten verlangen, erzieherisch einwirkt, gelegentlich auch einmal ein Wort ähnlich kräftig wie mit einem Kassenvorstande spricht! Böse Erfahrungen haben Aerzte und Patienten in Deutschland einst und jetzt sicher nicht mehr mit jüdischen als mit christlichen Aerzten gemacht! Nur ganz selten ist selbst den eingefleischtesten Judenfressern als behandelnder Arzt ein Jude unangenehm! Wir verlangen also im eigen st e n I n t er e s s e der A e r z t e o r g a n i s a t i o n, daß der Bor st and des Leipziger Verbandes nunmehr die Sache der jüdischen Medizin alp rakti kanten in die Hand nimmt und dafür sorgt, daß nicht auch noch von den Kollegen selbst ehrenhafte junge Mediziner grundlos boykottiert werden. Medicus practicus. Im Anschluß an obige Ausführungen geben wir die Verhandlungen wieder über die Behandlung des jüdischen Medizinalpraktikanten Mattissohn im Lübecker städtischen Krankenhause, die am 21. Juli er. in der „B ärgerschast" zu Lübeck stattfanden. Der Central-Verein hatte das ihm übergebene Material dem Mitgliede der Bürgerschaft Herrn Dr. med. Schlomer überwiesen, der sich mit Energie von Anfang an und so auch jetzt in der Bürgerschaft der Sache angenommen hat: „Thiele (freie Volkspartei): Eine hiesige Zeitung brachte vor kurzem die Notiz, daß im hiesigen Krankenhause von Herrn vr. Hofstaetter ein Assistenzarzt angestellt worden sei, von dem gesagt wurde, daß er sehr tüchtig war. Nach ein paar Tagen wurde diesem Herrn gesagt, es wäre besser, wenn er die Anstalt verließe. Ich habe gefragt, was denn wohl gegen diesen Herrn vorgebracht sein kann, und da wurde mir gesagt, der Herr wäre ein Jude. Da habe ich mir gesagt, wie so etwas möglich sein könne. Mein Freund, Herr A. Pape, der selbst mit Vorsteher des Krankenhauses ist, ist doch nicht mit einem Male Antisemit geworden. Ich