Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Der Ritualmord-Prozeß zu Kutais im Jahre 1879
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 553 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316799-2343505--20597-2343605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Rn u al ino rd - Pro zeß zu Kutais im Jahre 187v. 553 Joseph Mikadse, Onkel des vorigen, bekundet, die Juden von Satschcheri hatten sich noch vor der Auffindung der Leiche in seiner Gegenwart an den Pristaw Zereteli, der inzwischen gestorben ist, mit der Bitte gewandt, er möchte sie beschützen, wenn ihr Leben und Eigentum bedroht werde. Der Vertreter der Zivilklage des Joseph Modebadse bekundet, Joseph Mikadse habe ihm gleich nach dem Verschwinden des Kindes vorgeschlagen, von den Juden eine Geldentschädigung anzunehmen und keine Anzeige bei der Behörde zu machen; dieser Vorschlag sei aber abgelehnt worden. Auch sonst wird die Glaubwürdigkeit des Zeugen Joseph Mikadse durch viele Widersprüche in seinen Aussagen in Frage gestellt. Mikadse gibt zu, in der Voruntersuchung wissentlich falsche Angaben gemacht zu haben; die Bevölkerung sei während der Voruntersuchung derart gegen die Juden aufgebracht gewesen, daß Zeuge sich fürchtete, etwas zugunsten der Angeklagten auszusagen. Der nächste Zeuge, Hilfsrichter Achumow, hat mit htm Kreisarzt Berno die Leiche untersucht und war auch bei der Obduktion zugegen. Er hat nur die bereits erwähnten Verletzungen an den Händen und außerdem eine Beule an der linken Hüfte gesehen, sonst nichts. Er schloß sich im allgemeinen den Ausführungen des Arztes Berno an, nur glaube er, daß die Verletzungen an den Händen prämortaler Natur waren, während der Urzt sie für postmortal hielt. Der Zeuge Pristaw Fürst Abaschidse bekundet, daß die Aufregung unter der christlichen Bevölkerung sehr groß war und daß mehrere Beraubungen und Mißhandlungen vor: Juden vorkamen. Am 5. April, also noch vor der Auffindung der Leiche, hätte ihn eine Deputation von Juden um Schutz ihres Lebens und Eigentums ersucht. Er hätte gleich nach dem Verschwinden des Kindes Untersuchungen im Judenviertel von Satschcheri anstellen lassen, aber nichts Verdächtiges festgestellt. Der Zeuge Jakobidse befand sich im Hofe des Fürsten Zereteli, als der Angeklagte Elikschwili in den Hof gestürzt kam und verlangte, den Fürsten zu sprechen. Der Fürst sei nicht zu Hause gewesen, der Jude hätte gesagt: „Die Unsrigen haben einen von den Eurigen zu Tode gemartert." Bon einem „Christenkinde" hätte Elikschwili nicht gesprochen. Bald