Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 551

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Der Ritualmord-Prozeß zu Kutais im Jahre 1879
Date
1910-07-01
Page
551 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316799-2343505--20595-2343603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

"Der Rüualrnord-Prozeß zu Kulais nn Zähre 18'/w. I-LI Darauf wird die Mutter des Kindes, Kekela Modebadje, vernommen. Sie will in den Kniekehlen der Leiche tiefe Einschnitte gesehen haben. Die Leiche und die Kleidung seien vollkommen trocken gewesen. Auch ihr Verdacht hätte sich sofort gegen die Juden gerichtet, ohne daß sie wüßte, zu welchem Zweck die Juden das Kind brauchten. Die Zeugin Tinia Modebadse hat die Leiche vor der Beerdigung gewaschen und dabei Einschnitte in den Kniekehlen bemerkt. Es war ihr ganz klar, daß die Juden durch diese Einschnitte das Blut des Kindes abgezapst hatten. Die Schwester der Ermordeten Maja Modebadse will gleichfalls die Einschnitte in den Kniekehlen gesehen haben. Die Zeugin Turfa Zchodaose stand mit der Sarra an der Landstraße gerade in dem Augenblick, als die Juden vorbeiritten. Sie ist davon überzeugt, daß das Kind von diesen geraubt wurde, doch sah sie den Vorgang nicht. Sie widerruft ihre bei der Voruntersuchung protokollierte Aussage, sie Hütte der Sarra zugerusen: „Wenn dich die Juden erwischen, bekommst du ein schönes Kleid"; sie hätte nichts dergleichen gesagt. An der Leiche will sie Einschnitte in den Kniekehlen und außerdem auch Stiche am rechten Fuß gesehen haben, die zweifellos von einem Messer herrührten. Sie habe auch früher gehört, daß Juden sich aus solche Weise Blut von Christenkindern verschaffen; wozu — wisse sie nicht. Aus den Aussagen der nun folgenden Zeugen geht hervor, daß der Weg vom Gehölz, aus dem Sarra verschwurrden war, zu dem Hause ihrer Eltern höchst uneben und voller Gräben ist und „daß am betreffenden Tage ein so dichter Nebel war, daß sich das Kind leicht verirren konnte. Trotz dieses Nebels wollen die Zeugen aber doch die vorbeireitenden Juden gesehen haben. Ueber die Zahl der Reiter verwickeln sie sich sämtlich in Widersprüche. Der Zeuge Dimitrij Zereteli sah die Inden, als einer von ihnen einen Sack an den Sattel band. Er hörte dabei eine Kinderstimme ganz deutlich die Worte schreien: „Mutter, Mutter, hilf mir!" Aus eine ihm später von einem der Verteidiger vorgelegte Frage, warum er nicht gleich dem Kind zur Hilfe geeilt sei, sagte er, er sei sich nicht ganz klar darüber gewesen, ob es tatsächlich eine Kinderftimme war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.