Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Zum 100. Todestage der Königin Luise
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 541 (sequence 8)
- Language
- German
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541 Zmn 100. Todestage der Königin Luise. uns Taumelwein zu kosten. Fremdes Panier hat über uns geweht. Der Du den Ungestüm der Völker stillst, wie das Brausen der empörten Flut! der Du die Wellen der Leidenschaft besänftigen kannst, wie die tobenden Flammen feuerspeiender Gebirge! Sei uns wieder gnädig, Weltschöpser und Erhalter! Du regierst mit zwingender Allgewalt den Lauf der Gestirne, den Gang der unermeßlichen Natur; alles gehorcht willenlos ewigen, unwandelbaren Gesetzen. Der Geisterwelt nur, Allweiser, ließest Du Freiheit und willkürliche Tätigkeit, damit sie ihre Bestimmung erfülle. Doch auch diese lenkst Du, Unerforschlicher, väterlich und weisheitsvoll zum Ziele. Mit unwiderstehlicher Kraft leitet Deine Vorsehung den Kampf der Leidenschaften, wie den Streit der Elemente. Neigungen und Begierden der Menschen vollstrecken Deine göttlichen Befehle, wie Donner und unterirdisches Gewitter. Sei uns wieder gnädig, Weltschöpfer und Erhalter! Du trennst die Länder durch weitgestreckte Weltmeere; und siehe, Schiffahrt bringt sie schnell zusammen und vereinigt die weit Entfernten, auf daß getrennte Zonen geistige und körperliche Schütze Umtauschen und gemeinsam genießen. So bringt der feindselige Krieg fremde Völker, getrennt durch Sprachen, Sitten und Gesetze, auf das Schlachtfeld zusammen, aus daß sie ihre Kräfte messen, sich kennen, sich schätzen und als Freunde scheiden lernen. So löset sich auch das scheinbar größte Uebel in Gutes auf. So gereicht alles allen zum Vorteil und Frommen. So stimmt* alles melodisch in die große Harmonie, die wohlklingend zum Lobe Gottes ertönt. Sei uns wieder gnädig, Weltschöpfer und Erhalter! Er ist zurückgekehrt, unser Landes-Beherrscher; in Frieden zurückgekehrt. Laß an uns wahr werden, was der weise König lehrte: „Der Ewige züchtigt nur aus Liebe, wie ein Vater seinen Sohn bessern will." Allgütiger! Du verlässest nie den Menschen, der sich selbst nicht verläßt. Lehre uns aus den erlittenen Widerwärtigkeiten Nutzen schöpfen, daß wir mit Freude und Dank uns ihrer erinnern.