Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Zum 100. Todestage der Königin Luise
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 540 (sequence 7)
- Language
- German
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540 Im deutschen Reich. „Allgegenwärtiger! Unerforschlicher! Urheber aller Wesen! Vater aller Geister! Dich fassen die unermeßlichen Welten, Dich fasset der Geist des tiefsinnigsten und weisesten Mannes nicht. Aber Du hast, Allgütiger, dem Erdenso-hne Verstand und Einsicht genug verliehen, Deine Weisheit anzustaunen, Deine Vatergüte zu Preisen, und Deine Allmacht zu erkennen. In diesem Tempel, der Andacht geweiht, den wir uns erbauet haben, um das Gemüt zu erheben in Tagen der Freude, um unser Herz auszuschütten in Tagen der Tränen und der Not: wie oft haben wir uns hier versammelt, o Herr, Deine Treue, Deine Barmherzigkeit, Deine huldreiche Liebe zu besingen und Dir für die Wohltaten zu danken, die Du uns erzeigt hast! Du hast diesem Reiche große und weise, tapfere und menschenfreundliche Regenten vergönnt. Sie haben es mächtig emporgehoben, daß es zum Muster der Welt aufgestellt ward. Edle Fürsten, Nachahmer des unerreichbaren Vorbildes, haben ihre Untertanen zur Tugend und Wissenschaft, zum Kunstfleiß und zur Tätigkeit angefeuert. Sie haben sie gelehrt, durch Arbeitsamkeit Glück zu verdienen und glücklich zu werden. Mit milden Gesetzen haben sie sie beherrscht: Gerechtigkeit thronte unter uns, und auf ihrer Wage wünschten auch Fremde gerichtet zu werden. Sie riefen die Weisen zu sich, die die Fackel der Wahrheit anzünden unb durch ihr Licht Welt und Nachwelt erleuchten und erwärmen. Allgütiger! Du hast Deinen Gesalbten, unfern geliebten Landesherrn, mit einer edlen Fürstin beglückt, die ein Muster menschlicher Vollkommenheit ist, einer Lilie an Reinheit, einer Rose an Schönheit gleicht. Du hast die Edlen mit Nachkommen begnadigt, die Oelbaum-Sprossen gleich aufblühen, beit Eltern zur Freude, dem Lande zum Schutz. Königliche Geschwister umringen ihn und seinen Thron, im vollen Schmuck der Würde und der Kraft. Geber alles Guten! Dir verdankt dieser Staat Männer von Weisheit, Tapferkeit, Gottesfurcht und Menschenliebe; und Sicherheit, und Wohlstand, und Ruhe. Aber, Allgerechter, Du hast das Reich erschüttern lassen, daß es schier wankt. Risse sind aufgespreugt, daß es in seinem Innern erbebt ist. Du zeigtest uns hartes Schicksal, gabst