Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 542

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Zum 100. Todestage der Königin Luise
Date
1910-07-01
Page
542 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316799-2343504--20584-2343594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

542 Im deutschen Reich. Laß mit dem geliebten Fürsten die Ruhe in das Land und in die Herzen seiner Bewohner wiederkehren. Stärke in uns den Sinn zum Fleiße, zur Tätigkeit, zur redlichen Erfüllung unserer Berufsarbeiten, damit wir mit vereinter Kraft das Zerstörte aufbauen, und das Zerrüttete in Ordnung bringen helfen. Verbanne aus unserm Gemüt den Hang zur Trägheit und zum Müßiggänge, welche den Keim des Lasters entwickeln. Lehre uns einträchtig mit unfern Mitbrüdern leben, streng gegen eigne Fehler, nachsichtvoll gegen menschliche Schwachheit sein. Gib uns Kraft, jedes Gute zu befördern, jedes Nebel zu vermeiden. Starke, allgütiger Gott, in dieser dem Nachdenken und der Andacht geweihten Stunde jeden Vorsatz zur Tugend und zu geselligen Pflichten, damit er zur Tat reife, und Ruhe und Sicherheit unser Teil werde. Heilige uns zu Deinem Dienste, damit die Lehren der Religion in unserm Herzen Wurzel fassen und wir die Handlungen der Pflicht mit Freuden erfüllen, auch wenn sie uns Aufopferungen kosten. Bekräftige in uns den Gehorsam gegen die Gesetze des Landes, und die Ehrfurcht vor unfern Vorgesetzten. Erhalte dem Lande seinen Regenten, auf daß er das Reich wieder herstelle, daß es sein Haupt erhebe wie in den Tagen der Vorzeit. Amen. Der Name des Ewigen sei gebenedeiet von jetzt an und in Ewigkeit! Amen!'" Als die Königin Luise in der Blüte ihres Lebens — am 19. Juli 1810 — dahingerafft wurde, beteiligten sich auch die Juden an der allgemeinen Trauer, wie dies die nachstehende Notiz der Vossischen Zeitung vom 11. August 1810 beweist: „Die Judenschaft hat, ergriffen von der allgemeinen Trauer, vorigen Sonntag in nämlicher Stunde mit den anderen Bürgern des Staates in ihrem Tempel den unersetzlichen Verlust der Landesmutter beweint. Der Assessor Hurwitz hielt die Trauerrede mit großer Rührung, und die Feierlichkeit wurde mit dem üblichen Gebete geschlossen." Mit welchem treuen Gedenken und welcher Pietät die Berliner bzw. auch die übrigen preußischen Juden dem Genius der verblichenen Königin huldigten, beweist u. a. die Tat-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.