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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 539

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Zum 100. Todestage der Königin Luise
Date
1910-07-01
Page
539 (sequence 6)
Language
German
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3um 100. Todestage der Königin Luise. 539 Paar weilte, nachdem Friedrich Wilhelm III. den Thron bestiegen und mit seiner Gemahlin Reisen durch die Provinzen seines Landes unternommen hatte, nahten sich ihm Abordnungen der jüdischen Landes-Angehörigen. JnKönigsberg unterhielt sich die Königin mit den jüdischen Damen, die ihr Blumensträuße überreichten, über die Lage der Israeliten in Königsberg und erkundigte sich nach den führenden Persönlichkeiten unter den Israeliten. Auf dem Ball, den die Stadt Stettin bei der Anwesenheit des Königspaares im Jahre 1806 in dem dortigen Landhause gab, wurden Juden und Jüdinnen von der Königin Luise wiederholt ins Gespräch gezogen. Ihre reizende Art, sich zu geben, gewann ihr ebenso die Herzen ihrer jüdischen, wir die ihrer christlichen Untertanen. Mit Recht konnte damals ein jüdischer Schriftsteller die Worte niederschreiben: „Ein allgemeiner Enthusiasmus ergriff aller Herzen, und jeder empfand, daß eine solche Behandlung, mit Gerechtigkeit verknüpft, gerade das sicherste und einzige Mittel ist, die Untertanen mit den festesten Banden an den Thron zu fesseln, wenn es möglich wäre, den Gesinnungen der Bürger von Stettin noch in der Treue und Anhänglichkeit gegen den Thron einen Zuwachs zu geben." In Fürth überreichten die Vorsteher der jüdischen Gemeinde der Königin schwungvolle Gedichte, die ihr große Freude bereiteten. Dies war auch in Schwabach der Fall. Die Gedichte, kunstvoll auf Pergament geschrieben und in einem prachtvollen silbernen und vergoldeten Rahmen gefaßt, wurden von jüdischen Künstlern der Königin übergeben. Unter den 24 weiß gekleideten Knaben und Mädchen, die der Monarchin Blumen aus den Weg streuten, befanden sich auch jüdische Kinder. In den trübseligen Jahren des staatlichen Niedergangs Preußen, welche der Niederlage bei Jena und Auerstädt folgten, hielten auch die Israeliten treu zu König und Vaterland, und als das Königspaar 1809 wieder nach der preußischen Hauptstadt zurückkehrte, veranstalteten auch sie einen feierlichen Dankgottesdienst. Das bei diesem Anlaß in dem Berliner Tempel gesprochene Gebet ist für die vaterländische Gesinnung der Berliner bzw. preußischen Israeliten bezeichnend. Es hat folgenden Wortlaut:

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