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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 538

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Zum 100. Todestage der Königin Luise
Date
1910-07-01
Page
538 (sequence 5)
Language
German
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Im deutschen Reich. Auch un den zwei Tage später, am 24. Dezember, ab gehaltenen Prunkvollen Feierlichkeiten anläßlich der Vermählung der Prinzessin Luise mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm beteiligten sich die Juden und die Jüdinnen Berlins in hervorragender Weise. Sie verunstalteten musikalische und theatralische Aufführungen patriotischen Inhalts. In den Synagogen wurden Predigten voll vaterländischen Geistes gehalten, und der bedeutsame Tag der Verbindung des zukünftigen Landesherrn mit der liebreizenden Prinzessin wurde durch edle Wohltätigkeits-Akte würdig begangen. Es muß mit großer Genugtuung betont werden, daß die Bevölkerung Berlins diese Beteiligung ihrer jüdischen Mitbürger an dem erhebenden Fest überall mit lebhafter Sympathie begrüßte, und daß sich nirgends auch nur der geringste Mißton zeigte. Es mag noch erwähnt werden, daß nach dem Einzug der Prinzessinnen-Bräute vor dem Königlichen Schlosse in Berlin die Vertreter der Berliner Juden sich versammelten und von dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dem Prinzen Ludwig von Preußen, den beiden Verlobten, sehr huldvoll empfangen wurden. Einer zu jener Zeit erschienenen ausführlichen Beschreibung der Ankunft und Vermählung der Prinzessinnen- Bräute in Berlin entnehme ich noch die nachstehende interessante Notiz: „Die Judenschast hatte eine Feierlichkeit zu Ehren der schwesterlichen Bräute, als dieselben in Berlin ihren Einzug hielten, unter Anordnung zweier Deputierten, der Herren Samuel Jonas und Aron Goldschmidt, veranstaltet. Zehn junge Leute ihrer Nation, in grünen Röcken und weißen Unterkleidern, mit Kokarden und Federbüschen an den Hüten, trugen, unter Anführung der Herren Mendel und Joel, aus dem Hause des ersteren einen Baldachin aus gesticktem Drap dür und wurden dabei von acht jungen Mädchen, in weißen Kleidern mit grünen Girlanden, begleitet. Der Zug ging durch den Königlichen Lustgarten und den Schloßhos bis auf die grüne Treppe, und dann in den Marrnorsaal. Hier ließen -sie den Baldachin ruhen, bis die Durchlauchtigen Prinzessinnen- Bräute ankamen. Dann, überreichten die Demoiselles Pessel Hirsch, Gütel Goldschmidt, Fromet Moses und Matchen Mendel den Prinzessinnen-Bräuten mit einer kürzen Anrede ein Gedicht, welches sehr gnädig ausgenommen ward." In allen preußischen Städten, in denen spater das Königs-

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