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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 532

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
532 (sequence 48)
Language
German
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532 Im deutschen Reich. Kinder dereinst, durch den in studentischen Vereinen und anderen ähnlichen Jugendverbänden herrschenden Geist infiziert, ihren eigenen Ahnen und selbst ihren Eltern mit Hohn und Spott gegenübertreten? (Lebhafte Zustimmung.) Die Bedeutung der Heranwachsenden Generation zeichnet der Psalmsänger treffend mit den Worten: „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du eine Macht gegründet um deiner Widersacher willen, um verstummen zu machen den Feind und den Rachegierigen." .... Wie leicht kann hier das Gegenteil eintreten? Wie leicht kann es kommen, daß die in ihrer Jugend Getauften sich zu den Widersachern dereinst gesellen und den Chor der antisemitischen Schreier, Hetzer und Verfolger noch verstärken! Ist somit die beklagenswerte, in gewissen Kreisen unserer Glaübensgenossen Mode gewordene Kindertaufe, die, wie jeder andere Gegenstand der Mode, oft bei geselligen Zusammenkünften leichtfertig erörtert und beschlossen wird, einerseits als schwerer Eingriff in das dereinstige Selbstbestimmungsrecht der Heranwachsenden Generation in Sachen der Religion, andererseits als ein roher Akt der Lösung der Familien- und Stammesbande auf das entschiedenste zu verurteilen, so tritt die Verwerflichkeit dieses Schrittes in noch weit höherem Maße hervor, wenn man den obersten Grundsatz aller Erziehung ins Auge faßt. Ob äußerliches Wohlergehen, behagliches Dasein, bequemeres Fortkommen in der Welt, Stellung, Beförderung das wahre Glück des Menschen ausmachen, ob nicht vielmehr dazu auch strenge unbedingte Pflichterfüllung und auf dieser ruhende Selbstachtung, innere seelische Befriedigung .gehört, darüber haben die Menschen, je nach ihrer Sinnesart, zu alten Zeiten verschieden gedacht und werden wohl auch in Zukunft darüber verschieden denken. Allein darin stimmen nicht bloß alle Pädagogen, sondern alle rechtschaffenen Menschen überein, daß die Einpflanzung des Sinnes für Wahrhaftigkeit und Redlichkeit, die Bannung jeder Verlogenheit und Unaufrichtigkeit, der oberste Grundsatz aller sittlichen Erziehung ist. Nichts suchen rechtschaffene Eltern mit größerer Sorgfalt und Peinlichkeit von ihren Kindern fernzuhalten als jede Art von Verlogenheit und Unaufrichtigkeit; nichts ahnden sie an ihren Kindern strenger, als wenn sie, fei es in der Schule, sei es im täglichen Leben, sich einer Lüge schuldig machen. Wie sollte es damit in Einklang

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