Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 531 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentausen 531 Tat, die 'viele, obzwar sie in ihrem Innersten längst mit dem angestammten Judentum 'gebrochen haben, doch vor dem mit dem Uebertritt -verknüpften 'Meineid und Verrat insoweit zurückschrecken läßt, daß sie für ihre Person in der angestammten Gemeinschaft bleiben, gleichwohl aber scheuen sie sich nicht, ihre Kinder zur Taufe zu führen, indem sie ihr Gewissen damit 'zu -beruhigen versuchen, daß einerseits die Kinder den 'an diesen Schritt sich knüpfenden Verrat und die Heuchelei noch Nicht empfinden, andererseits damit, daß sie — die 'Eltern -— )id> verpflichtet fühlen, wie sie sich ausdrücken, den 'Kindern die Wege zu ebnen, damit sie unangefochten und 'ungehindert im Leben fortkommen. Aber empfinden denn diese Eltern gar nicht, daß siedurch ihre vermeintliche Pflichterfüllung sich eines schweren Eingriffs in das dereinstige Selbstbestimmungsrecht derer schuldig machen, denen sie das -Leben gegeben haben! Jeder Mensch kommt zur Welt als Rechtswesen und wird von der ersten Stunde seines Daseins an von der Rechtsgesellschaft, vom Staate, gegen jeden willkürlichen Eingriff und gegen jede Gewalt geschützt. Eines feiner unveräußerlichsten und unantastbarsten Rechte ist es aber, dereinst, wenn er zur Vollreife der Verstandeskraft und der Willensentschließung gelangt ist, in allen die Gestaltung seines Lebens betreffenden Dingen sich selbst bestimmen zu können. Wie sollte ihm da, bevor er noch zum Bewußtsein über sein Leben und dessen Ziele gekommen ist, das Selbstbestimmuugsrecht in einer so ernsten Sache, wie die Religion es ist, von den Eltern verkümmert werden dürfen — von Eltern, die für ihre Person den Uebertritt scheuen und ihn verwerfen, ihre Kinder aber von ihrer Stammesgemeinschaft gewaltsam loszulösen über ihr Herz bringen, unter dem ersonnenen Scheingrunde, daß sie dadurch das Glück ihrer Kinder vorbereiten? Besteht denn das Glück des Menschen nur in äußerlichem Wohlleben, in der Aussicht auf Stellung und Beförderung? Ist nicht für jeden besseren Menschen zum Lebensglück Selbstachtung, innere Befriedigung und Seelenruhe unentbehrlich? Und bedenken denn diese Eltern, die ihre Kinder zur Taufe führen, auf der anderen Seite nicht, daß sie dadurch eine jähe Kluft zwischen sich und ihrem Hause einerseits und ihren Kindern andererseits herbeisühren? Können sie es denn nicht erleben, daß ihre