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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 530

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
530 (sequence 46)
Language
German
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Im deutschen Reich. 530 zuversetzen, denen Religion und alles, was-mit ihr znsammenhängt, etwas Gleichgültiges und längst Ueberwundenes ist, die, wie sie sagen, an nichts glauben und daraus mit einer für jeden verständig denkenden Menschen ganz unverständlichen Logik den Schluß ziehen, daß die Taufe, der Uebertritt zu einem dogmatischen Glauben nichts ihr Gewissen Belastendes habe, — versetzt man sich, was durchaus nicht leicht ist, in dieses an innerer logischer und ethischer Unwahrhaftigkeit leidende Raisonnement und sieht dabei ganz ab von der Gewissenlosigkeit, die sie damit — ich darf nicht sagen: der angestammten Religion gegenüber, denn diese Haben sie längst über Bord geworfen — aber der neu zu bekennenden Religion gegenüber bekunden, so ist und bleibt, vom rein menschlichen Standpunkte betrachtet, diese Fahnenflucht, das Verlassen einer schwachen, mühsam um ihr Recht ringenden, von vielen Seiten bedrängten Minderheit und das Flüchten zu einer starken, an Macht uns überlegenen herrschenden Mehrheit, aus deren Mitte oft feindliche Bedränger rücksichtslos und gefahrdrohend ihr Haupt erheben, ein feiger Verrat, eine schimpfliche, entwürdigende Handlungsweise! (Lebhaftes Bravo!) Wer angesichts des durch empörendes Unrecht und rohe Gewalt veranlaßten unsagbaren Elends unserer Stammesbrüder im Osten, angesichts der Pogrome, der blutigen Gemetzel, denen dort Tausende und aber Tausende zum Opfer fallen, angesichts der Verleumdungen und Verdächtigungen, die in unserem eigenen Vaterlande von antisemitischen Hetzern und Verfolgern in einer an die finstersten Zeiten des Mittelalters erinnernden Weise gegen Juden und Judentum ersonnen worden sind, angesichts der den Juden um ihres Glaubens und ihrer Abstammung willen immer noch vorenthaltenen Rechte, — wer es angesichts dieser Tatsachen noch über sein Herz bringt, dem Judentum den Rücken zu kehren und in die Reihen der starken herrschenden Kirche zu flüchten, der erstickt die Stimme der Menschlichkeit in seiner Seele, die ihn laut und vernehmlich mahnen müßte, in den Reihen der Schwachen, um ihr Recht mühsam Kämpfenden auszuharren und diesem heiligsten aller Kämpfe, dem Kampf um das Recht, seine Kraft zu erhalten und zu weihen. (Stürmischer Beifall.) Meine geehrten Damen und Herren! Diese Stimme der Menschlichkeit und des Gewissens ist es denn auch in der

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