Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 529 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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J'udeittaufen. 529 sie kaum in Betracht zu ziehen sind. Fast überall sind es Motive äußerer Art, Motive gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Natur, bei denen es sich um berufliche Jnteresseu, um Stellung, unr Beförderung, um äußere Ehren und Auszeichnungen, kurzum um das handelt, was man Lebenskarriere zu nennen pflegt. Den Hauptanlaß dazu bieteu allerdings unsere sozialen und politischen Zustände, die Zurücksetzung der Juden wegen ihrer Religion und ihrer Abstammung, die Vorenthaltung der ihnen durch die Verfassung garantierten Rechte und, was noch weit schlimmer ist, die Prämiierung der durch Abfall und Uebertritt bekundeten Gesinnungslosigkeit. Ist es schon an sich schimpflich, statt im treuen Bunde mit feinen Glaubens- und Stammesbrüdern, im Bunde mit seinen Leidensgenossen gegen dieses vom Staat und der Gesellschaft verübte schwere Unrecht anzukämpfen, sich von den Glaubens- und Stammesgenossen, mit denen man durch eine Jahrtausende alte Geschichte und durch eine unendlich große Ahnenreihe verknüpft ist, loszulösen und zu trennen, so ist. es obendrein noch eine Selbsterniedrigung, eine Preisgabe jeglicher Selbstachtung, sich durch den Uebertritt aus äußeren Motiven, um persönlicher Vorteile willen, zum Objekt der vom Staate den Uebertretenden verheißenen Belohnung der Gesinnungs- und Charakterlosigkeit zu machen. (Stürmischer Beifall.) Was bedeuten äußere Güter, selbst glänzende Stellung und Beförderung gegenüber dieser Selbsterniedrigung, dieser Preisgabe der Selbstachtung? Und gewinnt denn der, der aus solchen Gründen wider innere Ueberzeugung, um äußerer Vorteile willen, zur herrschenden Kirche Übertritt, in den Augen derer, zu denen er Übertritt, an Achtung? Die Erfahrung lehrt das Gegenteil. Und wenn sich nach dieser Richtung hin eine Statistik ermöglichen ließe, würde es sich zweifellos zeigen, daß diejenigen, die um äußerer Vorteile willen zur herrschenden Kirche übertreten, von denen, zu denen sie übertreten, zwar oft reichlich entlohnt, aber im Innersten der Seele gering geschätzt und verachtet werden. (Lebhafte Zustimmung.) Und, meine geehrten Damen und Herren, versucht man selbst sich auf den Standpunkt, in die Seele derjenigen hinein-