Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 527 (sequence 43)
- Language
- German
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Judentimftn. 527 schäften vertretenden Körperschaften, bei denen wir überall die verschiedenen Parteien mit dem größten Eifer und mit der größten Entschiedenheit für ihre religiöse Ueberzeugnng eintreten und für den Sieg ihrer Sache kämpfen sehen. Auf dem Gebiete der Religionswissenschaft sind Geistliche und Gelehrte verschiedener Religionsgemeinschaften wieder eifrig bemüht, den überlieferten Lehrinhalt ihrer Religion zu erforschen und zu sichten, das Veraltete, wertlos Gewordene von dem zu scheiden, was für die Befriedigung des religiösen Bedürfnisses bleibenden Wert und dauernde Bedeutung hat. Auch bei uns Juden ist man wieder rüstig an der Arbeit. Besonders hat die vor mehr als drei Jahrzehnten bei uns in Deutschland erneut entfachte feindliche Bewegung gegen Juden und Judentum aufrüttelnd gewirkt. Große indifferent gewordene Kreise sind durch jene schmachvollen, häufig vor keinem Mittel zurückschreckenden Angriffe für die Anteilnahme zum Schutz und zur Verteidigung der Juden und des Judentums wiedergewonnen worden: ein großer Teil unserer gebildeten Jugend, der dem Judentum völlig entfremdet zu sein schien, ist zu neuem jüdischen Bewußtsein wieder erweckt worden; zahlreiche Vereine und Verbände sind gegründet, viele Organisationen und Institutionen sind geschaffen worden, um einerseits die von außen gegen uns anstürmenden Angriffe abzuwehren und die Rechte der Juden zu schützen und zu verteidigen, und andererseits in unserer eigenen Mitte eine Stärkung des religiösen Bewußtseins und des Bewußtseins der Zusammengehörigkeit herbeizuführen. In den Dienst dieser Vereine und Verbände sehen wir eine große Anzahl unserer intelligenten Männer mit Begeisterung und Opferfreudigkeit ihre Kraft stellen. Viele unserer Theologen und Gelehrten sind eifrig bemüht, durch Erforschung unseres Schrifttums die unvergleichliche Hoheit unserer Religions- und Sittenlehre vor aller Welt darzutun. Erfüllt uns diese Tatsache einer Verjüngung und Kräftigung des jüdischen Bewußtseins mit Freude und bestärkt sie uns in der Hoffnung, daß die in der großen weltgeschichtlichen Mission unserer Religions- und Sittenlehre begründete Lebenskraft des Judentums, ebenso wie sie den Stürmen der Jahrtausende widerstanden hat, auch fernerhin sich behaupten werde, so muß uns andererseits die Wahr-