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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 526

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
526 (sequence 42)
Language
German
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526 Jni deutschen Reich. III. Professor Di\ J. ^orowrtz: Meine verehrten Damen und Herren! Wenn es sich Lei dem vorliegenden Thema um irgendwelche rein theoretischen Erörterungen handelte, so könnte ich mich einer gewissen Besorgnis nicht entschlagen, daß ich, der ich als Dritter über denselben Gegenstand vor Ihnen zu sprechen habe^ Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr in dem gewünschten Maße zu fesseln imstande sein würde. Diese Befürchtung, Sie mit meinen Ausführungen zu ermüden, würde sich noch steigern, wenn sich herausstellte, daß ich zu demselben Endergebnis komme, wie meine Herren Vorredner, und wenn dementsprechend manche Wiederholung von bereits Gesagtem unvermeidlich würde. Allein der Gegenstand, um den es sich hier handelt,'ist ein Gegenstand der Religion. Fragen der Religion sind nicht bloß Verstandessragen, sondern sie sind zugleich Fragen des Herzens und des Gemüts. Gedanken über Religion sind durchsetzt mit Empfindungen und werden getragen von der individuellen persönlichen Art, die Welt und das Leben anzuschauen und aufzufassen. Und ebenso wie Gedanken über Religion nicht bloß aus dem Verstände, sondern zugleich ans dein Herzen entspringen, so wenden sie sich auch nicht ausschließlich an den Verstand, sondern gleichzeitig an Herz und Gemüt, und dürfen, wenn sie von Herzen kommen, auch daraus rechnen, daß sie zu Herzen dringen werden. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, darf ich mich wohl der Hoffnung hingeben, daß Sie meinen Ausführungen Ihre Aufmerksamkeit nicht versagen werden. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir hören oft gegen unsere Zeit die Klage führen, daß in ihr ein großer religiöser Jndifferentismus herrscht; aber wenn wir unsere Zeit näher betrachten, dann merken wir bald, daß der religiöse Jndifferentismus bei denkenden Menschen im Rückgang und in der Abnahme begriffen ist. Es gärt wieder mächtig in dem religiösen Denken und Empfinden der modernen Menschen, und das Bedürfnis, zu religiösen Fragen und Problemen Stellung zu nehmen, ist erstarkt. In weiteren- Kreisen der Gebildeten tritt dieses erstarkte religiöse Interesse in gar manchen Erscheinungen hervor, am deutlichsten wahrnehmbar wird es z. B. bei beit Wahlen der die Religionsgemein-

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