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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 523

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
523 (sequence 39)
Language
German
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Judemaufen 523 daß sie dereinst in späten Abendstunden unseres Daseins die goldenen Blätter auf den Weg uns streue. Ich komme zum Schluß. Das Judentum ist besonders in ben Letzten Jahrzehnten von seiten christlicher Theologen mehr oder weniger heftigen Angriffen ausgesetzt gewesen. Die eigentümliche Erscheinung tritt dabei zutage, daß diese Angriffe der eigenen Glaubenslehre weitaus wehr geschadet haben als der Lehre des Alten Testaments. Um unsere bedeutendsten Kritiker oder Gegner zu nennen, so hat Ernst Renan wie Zaum ein anderer an den Grundlagen seines eigenen Glaubens 'gerüttelt, und die christliche Orthodoxie wird ihn 'ebenso von sich weisen müssen, wie sie es in bezug auf Adolf Harnack getan hat, der in seinem „Wesen hes Christentums" entschieden wehr auf jüdischem als auf christlich-orthodoxem Boden steht. Beide Herren wären unfehlbar im Mittelalter in der rücksichtslosesten Weise ad majorem dei gloriam verbrannt worden, und so mancher Orthodoxe mag noch heute bei sich denken: „Schöne Zeit, wo bist du, kehre wieder." Man vergleiche unsere jetzige Stellung in literarischer und wissenschaftlicher Beziehung und auf dem Gebiete der schönen Künste mit per, die wir noch vor hundert Jahren einnahmen. In unserer eigenen Mitte ist das Interesse am Judentum, an seiner — in des Wortes eigenster Bedeutung — wundervollen Geschichte und Literatur, an seiner die ganze Welt umspannenden Fürsorge -für die Notleidenden in stetem Wachsen begriffen. Wer den Bemühungen des Hilfsvereins deutscher Juden gefolgt ist, wer da sieht, mit welcher unvergleichlichen Liebe derselbe sich der Unterstützung der Armen, der Ueberwachung ihrer Interessen in allen Teilen der Welt, von den entlegenen Küsten Klein-Asiens bis zu den Urwäldern Argentiniens annimmt, wie er dort die Erziehung der Kinder überwacht und bestimmt, den muß das Gefühl ergreifen, daß, so weit der Himmel über die Erde reicht, so weit die Liebe Israels für die Verlassenen feines Stammes. Und der große Verein, in dem ich hier rede, ist die Verkörperung des Rechtsgefühls, des Protestes gegen Vergewaltigung, unüberwindlich als solcher und unüberwindlich in der Aufopferung, mit der die Gründer und die Vorsteher des Vereins für ihn eintreten.

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